Den Angeklagten wird vorgeworfen, sich spätestens Ende Juli 2019 zusammengeschlossen zu haben, um in Berlin einen professionellen Kokain-Lieferservice zu unterhalten. Foto: Pressefoto Wagner

Polizisten in kugelsicheren Westen an jeder Tür und sogar auf einem Dach: In der Urania in Schöneberg sorgen die neuen „Gäste“ für massive Sicherheitsvorkehrungen.

Sie sollen einen professionellen Koks-Lieferservice betrieben haben: Mohamed V. (39), Ali C. (30), Mohammed B. (19), Abdalah T. (20), Martin K. (30), Florian W. (27), Stanislaw S. (31) und Marc-Michel S. (27).

Täglich sei per Koks-Taxi zuverlässig und flexibel geliefert worden - an 92 Tagen seien bei 301 Lieferungen fast 375 Portionen an Kunden gegangen.

Ganz nach Wunsch düsten Kuriere los, die meist in Nobel-Karossen sitzen durften. Kein Ort unmöglich: Koks wurde laut Anklage auf einem Fußballplatz, im Fitness-Studio, in einem Ballsaal oder im Luxus-Hotel am Brandenburger Tor diskret übergeben. Eine Einheit von einem halben Gramm war für etwa 40 Euro zu haben.

V. und C. sollen einem berüchtigten Clan angehören und als Boss-Duo agiert haben. Die Anklage: „Alle anderen waren ihnen unterstellt.“ Bei den aufgelisteten Fällen sollen sie rund 15.000 Euro Gewinn gemacht haben. C. sei in einigen Fällen auch selbst als Koks-Taxi-Fahrer eingesprungen – allerdings war er ohne Pappe.

Die Ermittler rechnen den Fall zur Organisierten Kriminalität – entsprechend groß die Sicherheitsvorkehrungen. Wegen der Corona-Pandemie kann nicht in einem der Säle im Moabiter Kriminalgericht verhandelt werden. Bei acht Angeklagten und 16 Verteidigern sei keiner der Säle groß genug, um das Abstandsgebot einzuhalten, hieß es.

Nun also der „Edison“-Saal im Haus des gemeinnützigen Bildungsvereins. Scharfe Kontrollen für Besucher. Kein Handy, keine Tasche darf mit in den Saal. Ali C. ist als einziger in U-Haft. Fenster bleiben aus Sicherheitsgründen zu. Die sieben anderen Angeklagten zeigten sich unbekümmert und heiter. Fortsetzung: Dienstag. KE.