Der Lehrer wurde nachts zum gefährlichen Rohrbomber: Gregor D. (30) zündete in Schöneberg acht Sprengsätze. Vor Gericht beichtete der junge Pädagoge.

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Er stand auf, strich sich aufgeregt über die kurzen blonden Haare, zupfte am hellblauen Hemd: „Tiefe Scham und Reue empfinde ich“, legte der Bomben-Mann los. „Ich bitte um Entschuldigung.“

Er habe niemals Menschen verletzten oder Dinge zerstören wollen. Gregor D.: „Ich wollte Pyrotechnik herstellen, Knall erzeugen.“ Er habe es getan, um „innere Konflikte“ und Überforderung abzubauen, sich Erleichterung zu verschaffen. Der Rohrbomber: „Ich habe meine inneren Konflikte immer besessener durch den zwanghaften Drang nach Pyrotechnik kontrollieren wollen.“

Blick in den Saal 500 des Kriminalgerichts Moabit. Hier wurde der Prozess gegen den 30-jährigen, der acht Rohrbomben gebaut und gezündet hat, verhandelt. Vorsitzender Richter ist Sebastian Brinsa (2. v. r.) dpa/Carstensen

Die explosive Serie begann zum Jahreswechsel 2020/2021. D. schlich weit nach Mitternacht in den Innenhof seines Wohnhauses, ließ eine seiner selbstgebauten Rohrbomben hochgehen. Die Anklage: „Er beobachtete die Zünd- und Sprengwirkung.“

Einen Teil der nächsten Sprengsätze soll er wieder im Innenhof seines Hauses an der Eisackstraße zur Explosion gebracht haben, den anderen habe er einfach aus einem Fenster seiner Wohnung geworfen.

Acht Explosionen bis zum 4. Februar waren es laut Ermittlungen – wohl nur durch Glück gab es keine Schwerverletzten. In einem Fall hatte er eine Rohrbombe an dem Beschwerungsfuß eines Verkehrsschildes auf der Fritz-Reuter-Straße befestigt und per Fernzünder in die Luft gejagt.

Ein Passant, der gerade vor einem Haus eine Zigarette rauchte, wurde am Oberschenkel getroffen und leicht verletzt

Die Anklage: „Der aus Hartplastik bestehende Standfuß explodierte, dessen bis zu zwei bis drei Kilo schweren Teile wurden bis zu 80 Meter weit geschleudert.“ Ein Passant, der gerade vor einem Haus eine Zigarette rauchte, wurde am linken Oberschenkel getroffen und leicht verletzt.

Die Druckwelle der Explosion am 20. Januar kurz nach Mitternacht ließ Fenster hinter den geschlossenen Jalousien in einer Wohnung zersplittern. Die Anklage: „Glassplitter wurden bis in das dahinter liegende Hochbett geschleudert, in dem ein Kind schlief.“ Es blieb unverletzt.

Bombenbauer D. zum Richter: „Ich habe mir Kontrolle vorgemacht.“ Die Gefährlichkeit habe er völlig verdrängt. „Ich habe meine eigenen Fähigkeiten über- und Gefahren unterschätzt. Es muss für Anwohner grauenhaft gewesen sein, dass es auf der Straße zu Explosionen kam.“

„Die Situation meiner Schüler hat mich extrem belastet.“

Er habe sich in einer schwierigen Situation befunden. Referendariat, zweites Staatsexamen, dann die Corona-Pandemie. D.: „Die Situation meiner Schüler hat mich extrem belastet.“ Viele Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen. Er habe noch mehr gearbeitet – und befürchtet, das Examen nicht zu schaffen.

Am 27. Januar wurde ihm das Examenszeugnis überreicht – „recht gut bestanden“, so der Lehrer. Doch am 4. Februar war er erneut als Rohrbombenleger unterwegs. Seine Festnahme auf frischer Tat. Die Polizei fand weitere funktionsfähige Sprengsätze in seiner Wohnung und in einem Motorroller – 14 insgesamt.

Der Bomben-Bastler: „Es war notwendig, dass ich von der Polizei gestoppt wurde.“ Er wolle eine Psycho-Therapie beginnen. Fortsetzung im Prozess um Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion:  Donnerstag.