Die Wohnungsnot machen sich immer öfter Betrüger zunutze. imago/imagebroker

Die Wohnungsnot in Berlin ist bekanntermaßen groß. Und aus der Verzweiflung vieler Wohnungssuchenden wollen immer öfter Betrüger Kapital schlagen, warnt die ING-Bank. Betroffen sei aktuell vor allem der Großraum Berlin.

Auf Immobilienportalen, eBay Kleinanzeigen, Facebook oder Instagram werden die Opfer durch besonders attraktive Wohnungsannoncen angelockt. Diese Fake-Anzeigen seien oft „sehr ansprechend gestaltet und fallen durch ihren günstigen Mietpreis auf“, erklärt Alexandra Schiefer, Leiterin Betrugsprävention bei der ING Deutschland die perfide Masche.

Vorsicht bei der Absprache des Besichtigungstermins

Nehmen Wohnungssuchende dann Kontakt mit den vermeintlichen Vermietern oder Hausverwaltern auf, bekommen sie auf ihre Anfrage zur Besichtigung den Hinweis, dass sie für einen Termin ausgewählt wurden.

Da diese Termine angeblich aufgrund von Covid-19 automatisch erstellt würden, werden die Wohnungssuchenden aufgefordert, sich vorab über ein Legitimationsverfahren, wie zum Beispiel Postident, zu verifizieren. Erst danach würden die Interessenten eine Bestätigung für den Termin bekommen."

Opfer eröffnen nichtsahnend ein Bankkonto 

Besonders glaubwürdig wirken diese Nachrichten vor allem durch eine persönliche Vorgangsnummer und den Verweis auf die Deutsche Post als Partnerunternehmen. Hinzu kommt, dass es sich um eine echte Legitimierung handelt, bei der die Deutsche Post tatsächlich involviert ist.

Was die Interessenten nicht ahnen: Über die Legitimierung eröffnen sie ein Bankkonto, über das die Betrüger frei verfügen können. Geschädigte erfahren häufig erst viel später von dem Betrug: Wenn ihre Bank sie deswegen kontaktiert, sie angesichts von SCHUFA-Problemen keine weiteren Bankgeschäfte machen können oder auch durch polizeiliche Ermittlungen.

Weitere Kennzeichen für Fake-Annoncen

Die Fake-Besichtigungstermine sind allerdings nicht die einzige Betrugsmasche rund um die Wohnungssuche: Falsche Makler, gefälschte Wohnungsanzeigen, geschickt begründete Aufforderungen zur Geldüberweisung vor einer Besichtigung, Identitätsdiebstahl durch Kopien und Scans von Personalausweisen oder Phishing-Mails – die Bandbreite an Betrug rund um die Wohnungsnot ist groß, so die ING Deutschland weiter. Die Bank rät deshalb, bei Wohnungsannoncen genau hinzuschauen.

Neben der Legitimationsaufforderung können Hinweise auf einen Betrug sein:

  • Kontaktdaten in der Anzeige sind unvollständig.
  • Das Inserat wird auf weiteren Portalen mit anderen Kontaktdaten angeboten.
  • Die Miete erscheint ungewöhnlich niedrig.
  • Bildmaterial sieht aus wie aus einem Werbeprospekt.

Alexandra Schiefer: „Auch wenn die Wohnungsnot noch so groß ist, lassen Sie sich nicht auf Legitimationsverfahren, Vorab-Überweisungen oder die Übermittlung von persönlichen Dokumenten ein. Wer dennoch Opfer eines Betruges geworden ist, sollte umgehend Strafanzeige bei der Polizei stellen und sich an die Bank wenden, bei der das betrügerische Konto eröffnet wurde.“