Sechs Monate Haft auf Bewährung gegen Bilal K. (25) wegen fahrlässiger Tötung. Pressefoto Wagner

Der Totraser starrte zu Boden, als die Mutter im Prozess das Wort ergriff. Mit tränenerstickter Stimme und voller Schmerz sprach Stephanie Gräfin von Pfuel (60).

„Auch wenn es uns unseren Sohn und Bruder nicht zurückbringt, hoffen wir auf ein angemessenes Urteil“, so die Mutter. Kurz darauf verkündete der Richter: Sechs Monate Haft auf Bewährung gegen Bilal K. (25) wegen fahrlässiger Tötung. Ihm wurden außerdem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit auferlegt.

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Der Richter: „Das zu schnelle Fahren des Angeklagten war ursächlich für den Tod des Fußgängers.“ Bilal K. sei genervt gewesen, habe das Gaspedal durchgedrückt – bis auf 82 km/h beschleunigt. „Wenn er die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h eingehalten hätte, wäre es nicht zum Unfall gekommen.“

Mit gerade einmal 26 Jahren wurde Karl „Charly“ Bagusat aus dem Leben gerissen. Er war als Fußgänger unterwegs und wollte die Chausseestraße in Mitte überqueren. Seine Mutter Stephanie Gräfin von Pfuel, bekannt einst als TV-Werbegesicht und einstige bayerische Kommunalpolitikerin, war nun Nebenklägerin. Neben ihr saß ihre älteste Tochter. Ein schwerer Gang.

„Ich bin kein passionierter Raser, sondern ein Mensch, der zu schnell gefahren ist.“

Der 20. März 2019. Gegen 19.30 Uhr betrat Karl Bagusat die Straße zwischen zwei geparkten Fahrzeugen, schaute nach rechts und links, lief los. Das belegt ein Video. Doch Bilal K. hatte gab gerade mit fast durchgetretenem Pedal Gas. Der Mercedes S 500 ist von null auf hundert in unter fünf Sekunden. Ein 455 PS starkes Protzer-Auto. Karl Bagusat sah die Gefahr wohl kommen. Der Gutachter: „Es muss noch eine zurückweichende Bewegung gegeben haben.“

Der furchtbare Zusammenprall. Karl Bagusat wurde auf die Motorhaube geschleudert, dann gegen die Frontscheibe, schließlich in den Gegenverkehr, wo er gegen einen Transporter prallte. Er erlag seinen schweren Verletzungen eine Woche später. Ein kaum zu ertragender Schicksalsschlag für die Familie.

Der Todesfahrer im Prozess: „Ich bin kein passionierter Raser, sondern ein Mensch, der zu schnell gefahren ist.“ Die Mutter seines Opfers hielt ihm vor: „Für den 20. März 2019 trifft das nicht zu.“ Das Urteil bezeichnete sie als angemessen.