Die Suche nach Rebecca blieb bisher erfolglos. 

Fotos: Eric Richard, Polizei Berlin

Kein anderes Verbrechen hat Berlin und Deutschland in den letzten Jahren so bewegt wie das Verschwinden von Rebecca R. aus Neukölln. Der Fall bleibt auch nach über anderthalb Jahren ungeklärt. Seit 18. Februar 2019 fehlt von dem damals 15-jährigen Mädchen jede Spur. 

Zuletzt hatte ein Foto neue Hoffnung bei der Familie geweckt, das Rebeccas Eltern über soziale Medien zugespielt wurde. Zu sehen ist eine blonde Frau. Rebecca? Zumindest sieht das Mädchen der Vermissten sehr ähnlich. 

Rebeccas Mutter Brigitte R.  traf sich jetzt mit YouTuber Julian Jarow (24) zum Gespräch. „Ich glaube, sie wird festgehalten“, sagt sie  und betont, dass ihre Tochter niemals freiwillig verschwunden wäre. „Rebecca würde niemals abhauen“ - und wenn doch, "würde sie uns ein Lebenszeichen schicken."

Es habe aber keinerlei Anzeichen dafür gegeben. Sie seien eine harmonische Familie gewesen. 

Polizei und Staatsanwaltschaft vermuten, dass das Mädchen einer Straftat zum Opfer gefallen ist. Gerade, weil es bisher kein Lebenszeichen von der vermissten Rebecca gibt. 

Die verschwundene Rebecca R. 
Repro: Eric Richard

In dem Interview äußert sich Rebeccas Mutter auch zu verschiedenen Vorwürfen gegen sie:

Hat sie von dem Fall finanziell profitiert? "Ich habe immer gesagt, ich habe einen Exklusivertrag. Das war mein Schutzschild", erklärt sie. Dabei wollte sie nur nicht weiter von Journalisten bedrängt werden. 

Warum wählte sie für die Fahndung ein stark bearbeitetes Instagram-Bild aus? Da so genannte Lolita-Foto prägte die öffentliche Wahrnehmung, obwohl es mit der damals 15-Jährigen nur wenig Ähnlichkeiten aufweist.

Mehr aktuelle Nachrichten aus Berlin finden Sie hier >>

Sie habe der Polizistin gesagt, dass sie nur ein Polaroid besitze, erklärt Rebeccas Mutter. Daraufhin habe die Beamtin das Foto von Rebeccas Instagram-Profil genommen. „Ich kannte dieses Foto auch noch nicht.“

Fast täglich würde sie Hinweise zu ihrer „Becci“ erhalten, sagt Brigitte R. Natürlich würden sich auch viele Spinner melden, die behaupten „wir haben sie“. Auch habe sich schon eine Person als Rebecca ausgeben, erzählt sie. Vor allem aber bekomme sie viel Unterstützung und Zuspruch.

„Wir hoffen, dass sie noch gefunden wird, und da muss man positiv bleiben“, sagt Rebeccas Mutter.

Bernd R., Vater von Rebecca


Foto: Eric Richard

Der Fall in Zusammenfassung: 

Einer der spektakulärsten Vermisstenfälle der vergangenen Jahre begann mit einer Polizeimitteilung: „15-Jährige vermisst“, hieß es: Seit den Morgenstunden des 18. Februar 2019 werde die 15-jährige Rebecca (...) aus Britz vermisst.“ Sie habe sich zuletzt bei Familienangehörigen aufgehalten.

Weil es bei Rebecca keine Hinweise auf ein freiwilliges Abtauchen gibt, das Mädchen sich nicht meldet und Rebeccas Handy stumm bleibt, landet der Fall bei der Kriminalpolizei. Bis zum 25. März geben Polizei und Staatsanwaltschaft sieben Mitteilungen zu Rebecca heraus. Trotz Ermittlungen ist eine Lösung des Falls nicht in Sicht.

Schnell stößt die Mordkommission auf den 27-jährigen Mann von Rebeccas Schwester, der zuletzt mit Rebecca im Haus war. Nach seiner Aussage soll die 15-Jährige das Haus verlassen haben. Das kann die Polizei anhand der Handydaten aber nicht feststellen. Am 28. Februar nimmt die Polizei den Schwager wegen Mordverdachts fest. Einen Tag später wird er freigelassen, am 4. März erneut verhaftet und in Untersuchungshaft gebracht.

Nach wie vor gibt es keine Hinweise für den gegenwärtigen Aufenthaltsort der vermissten 15-jährigen Rebecca R.

Foto: Polizei Berlin

Rebecca bleibt verschwunden, eine Leiche wird nicht gefunden

Am 6. März veröffentlicht die Polizei Fotos des Mannes und des Familienautos, das am Tag von Rebeccas Verschwinden auf der Autobahn zwischen Berlin und Polen erfasst wurde. Über das TV sucht die Polizei Zeugen. Schnell gehen über tausend Hinweise ein. In den folgenden Wochen bietet die Kripo fast alles auf, was möglich ist: Im dünn besiedelten Brandenburg 50 Kilometer südöstlich von Berlin durchsuchen Hunderte Polizisten Wälder. Leichenspürhunde schnüffeln im Unterholz, Mantrailer-Hunde werden an der Autobahn entlang geführt. Taucher steigen von Booten in Seen.

Rebecca bleibt verschwunden, eine Leiche wird nicht gefunden. Am 22. März wird der Haftbefehl gegen den Schwager aufgehoben, er wird aus der U-Haft entlassen. Gleichwohl betont die Staatsanwaltschaft: „Er ist weiterhin Beschuldigter des Verfahrens.“ Die Fakten deuteten darauf hin, dass Rebecca das Haus des Schwagers nicht lebend verlassen habe.

Das größte Problem der Polizei ist die fehlende Leiche. Eine Todesursache lässt sich nicht feststellen, und es gibt keine DNA-Spuren. Sollte die Leiche in einem Wald oder See liegen, verschlechtert sich die Situation von Monat zu Monat. Nach einem Jahr sind oft nur noch Überreste vorhanden. Die Polizei gibt noch nicht auf. „Natürlich wird nicht mit dem gleichen personellen Aufwand ermittelt wie damals“, so Staatsanwaltschaftssprecher Martin Steltner. „Aber sobald sich neue Hinweise ergeben, werden wir wieder mit dem früheren Personalaufwand einsteigen, um das Schicksal von Rebecca aufzuklären.“