Anwalt Leo S. vor Gericht (Name geändert) Prozessfoto Wagner

Ein Anwalt für alle Fälle – sogar für ein brisantes Pillen-Mitbringsel: Weil er sich von einem Knacki bequatschen ließ, landete ein Jurist selbst vor Gericht.

Er büffelte sich durchs Studium, baute sich als Advokat eine Existenz auf – und nach 14 Jahren im Beruf riss er alles ein. Leo S. (42, Namen geändert) ließ sich auf einen Transport von Pillen zu seinem Mandanten Hassan R. (38) ein.

Der Anwalt: „Er war in einem verheerenden Zustand, hatte große Schmerzen.“ Über Monate habe er die Leiden des U-Häftlings mitansehen müssen, der später einen Freispruch vom Raub-Vorwurf bekam. S.: „Man berichtete aus seinem Umfeld von einem psychischen und physischen Ausnahmezustand.“

Ende Januar 2019 brachten Freunde von R. dem Anwalt dann Tabletten. Für ihren Kumpel im Knast. Tatsächlich handelte es sich um ein Schmerzmittel, doch eines, das auch als Droge missbraucht werden könnte. Bevor die Pillen zu R. kamen, hatte man dem Anwalt die verdächtigen Mittel abgeknöpft.

Nur zwei Wochen nach der gescheiterten Übergabe wurde S. auf dem Weg zur JVA Moabit abgefangen. Wieder ging es um Tabletten für ihren Kumpel. Der Anwalt: „Ich dachte, es wäre das gleiche Mittel wie zuvor.“

Pech für den Advokaten: Es waren 129 Subutex-Pillen – ein Drogenersatzstoff. Gefunden bei einer Zellen-Kontrolle kurz nach dem Besuch des Anwalts.

Richter überzeugt: S. wollte unerlaubt Arzneimittel abgeben und machte sich zudem der fahrlässigen Abgabe von Betäubungsmitteln schuldig. Urteil: Acht Monate Haft auf Bewährung.