Der Angeklagte Vaidas D. muss sich vor Gericht verantworten. Foto:  Wagner

Als die 91 Jahre alte Frau aufwachte, stand ein Mann nackt vor ihr. Sie wehrte sich heftig, rammte ihm zuletzt ihre Brille in die Rippen. Nun steht Vaidas D. (31) vor Gericht.

Die Rentnerin hatte sich am 5. Januar um 4.38 Uhr bei der Notrufzentrale der Polizei gemeldet: „Ich wurde überfallen in meiner Wohnung von einem Litauer, der war splitternackt und wollte mich vergewaltigen. Ich bin 91 Jahre.“ Skeptisch die Nachfragen des Beamten. Bis Vera L. (Name geändert) konterte: „Kommen Sie vorbei!“

Die Anklage lautet auf versuchte Vergewaltigung, Raub und Körperverletzung. Vaidas D. sei gegen 4.00 Uhr in die Wohnung der Seniorin eingedrungen. Die Anklage: „Nachdem er sich vollständig entkleidet hatte, trat er an die auf einem Sessel im Wohnzimmer schlafende Frau heran.“ Er habe sie vergewaltigen und berauben wollen.

Taffe Seniorin kannte den Angreifer

Vera L., eine ehemalige Ärztin, hatte ferngesehen und war eingenickt. Plötzlich der nackte Eindringling. Die Seniorin schilderte bei der Polizei: „Er brachte mich zu Boden, hielt mir den Mund zu.“ Sie habe sich hin und her bewegt. „Ich dachte, ich ersticke.“ Sie habe ihm dann ihre Brille in die Rippen gerammt. Er war auch auf Geld aus, verlangte „Penunse“. Sie zeigte auf ihr Portemonnaie: „Nimm und lass mich in Ruhe.“ Als in dem Moment auch noch ihr Telefon klingelte, machte sich D. mit 100 Euro Beute aus dem Staub.

Die taffe Seniorin hatte Hämatome und Schürfwunden erlitten - und den Angreifer erkannt: Es war ein Bekannter ihrer Putzfrau. Mit deren Schlüssel war er wohl in die in Zwei-Zimmer–Wohnung von Vera L. in Tiergarten gelangt. Vaidas D. setzte sich nach dem miesen Überfall in einen Bus nach Litauen: „Ich hatte mich ganz spontan entschlossen, wollte nach Hause, vermisse meine Tochter.“ Mit seiner Bekannten in Berlin habe es „immer viel Streit gegeben“. Im März war er zurück, wurde verhaftet.

Er kann sich angeblich nicht an den Angriff auf die betagte Frau erinnern: „Ich hatte viel Wodka getrunken, ein Filmriss.“ Doch die Beweislage ist erdrückend. Der Anwalt: „Er tritt den Vorwürfen nicht entgegen.“ Der Seniorin wolle er durch sein Geständnis eine Aussage im Prozess ersparen. Fortsetzung: 6. August. KE.