Eine Figur der Justitia ist an der Fassade des Kriminalgerichts Moabit zu sehen. (Symbolfoto)
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Als Babysitterin sollte sie bei Emilian und seiner Zwillingsschwester wachen. Am Morgen atmete Emilian seltsam. Kurz darauf kämpften Ärzte vergeblich um sein Leben. Ein Methadon-Tod. Mit nur zehn Wochen. War es die Nanny?

Der grauenhafte Fall vor Gericht. Gelassen gab sich die Angeklagte: Ines M. (39). Schwarze Haare, schwarzer Lidstrich, aufgesetztes Lächeln. Kein Blick zur Bank der Nebenklage. Da saß aufgelöst die Mutter (25) des vergifteten Kindes.

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Suche nach einer Nanny im Internet

Die Angeklagte Ines M. im Gerichtssaal. Foto: BK

Es geschah in der Nacht zum 28. Februar 2019. Ines M. soll Emilian mindestens 0,125 Milligramm Methadon verabreicht haben, „um ihn ruhigzustellen.“ Sie habe gewusst, „dass auch geringe Mengen Methadon bei Säuglingen zu Reaktionen wie Atemdepressionen führen können. Angeklagt ist Körperverletzung mit Todesfolge.
Als sie die Ex-Nanny nun sah, gingen der verzweifelten Mutter die Nerven durch: „Hast du keine Schuldgefühle?“ Tränen über Tränen. Dann hatte sie sich wieder im Griff. Sie ist schwanger.

Sie hatte wenige Wochen nach der Geburt der Zwillinge per Annonce im Internet eine Nanny gesucht. Ines M. meldete sich. Jaqueline K.: „Sie sagte, sie hätte auch Zwillinge, die 18 seien. Sie habe mal im Krankenhaus des Maßregelvollzugs als Sozialarbeiterin gearbeitet.“

„Ich würde meinen Kindern nie etwas antun“

Tatsächlich soll Ines M. Mutter von Zwillingen sein. Doch sie habe die Kinder wegen Überforderung weggegeben, heißt es. Mehrfach sei die Frau vorbestraft – wegen Betrugs, Beleidigung, Urkundenfälschung. Drogensucht bestimmte jahrelang ihr Leben. Sie habe zuletzt in der Therapie die Ersatzdroge Methadon erhalten.
Den Eltern von Emilian war das nicht bekannt.

Die Mutter: „Sie wirkte sehr sympathisch.“ Pro Dienst habe sie 50 Euro erhalten. „Sie war um die 20-mal da, meistens nachts.“ Die Mutter, die beim letzten Besuch der Nanny wie üblich im Wohnzimmer schlief, sah am Morgen: „Mein Sohn atmete auffällig.“ Beide Kinder seien schläfrig gewesen. „Dann bei meinem Jungen keine Reaktion mehr.“

Ines M. schwieg nun. Nach ihrer Verhaftung soll sie den Verdacht auf die Mutter gelenkt, behauptet haben: „Sie hatte Zugang zu Drogen.“ Jaqueline K. entsetzt: „Ich würde meinen Kindern nie etwas antun.“ Fortsetzung: Freitag.