Der Afrikaner war am 30. Juni 1986 an der Bahnstrecke Dessau-Berlin tot neben dem Gleisbett aufgefunden worden. (Symbolbild) Foto: imago images / Gottfried Czepluch

Der bis heute ungeklärte Tod des mosambikanischen DDR-Vertragsarbeiters Joao Manuel Diogio aus dem Jahr 1986 beschäftigt jetzt auch die Staatsanwaltschaft Potsdam. Das teilte das brandenburgische Justizministerium am Montag auf eine Anfrage aus der Linke-Landtagsfraktion mit. Der Afrikaner war am 30. Juni 1986 an der Bahnstrecke Dessau-Berlin tot neben dem Gleisbett aufgefunden worden. Nach Angaben von Freunden, die mit ihm unterwegs waren, war er im Zug von Neonazis zusammengeschlagen und an den Füßen gefesselt aus dem Zug geworfen worden.

DDR-Behörden hatten den Fall als Unfall dargestellt. Nach Angaben des Historikers Harry Waibel, der auch andere Fälle von Rassismus in der DDR untersuchte, ergab die Obduktion der Leiche Diogos eine offene Schädelfraktur mit Zertrümmerung der Schädelbasis und schweren inneren Verletzungen. Waibel zufolge hat es bis heute kein Gerichtsverfahren zu dem Fall gegeben. „Die wahren Tatumstände wurden wie zehn andere Morde an Kubanern und Afrikanern in der DDR, zu denen ich recherchiert habe, heruntergespielt, weil es offiziell keinen Rassismus geben durfte“, meinte er.

Der Leitende Potsdamer Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann, sagte der dpa, seine Behörde wolle alle DDR-Ermittlungsakten sichten. Auch Berichterstattungen und Veröffentlichungen würden ausgewertet. Es werde ebenfalls untersucht, ob es noch Zeugen des Vorfalls gebe. „Wir wollen sehen, ob es Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten gibt und Anlass besteht, ein förmliches Ermittlungsverfahren einzuleiten.“ (dpa)