Die Scheiben dieser Bankfiliale wurden demoliert, der Schriftzug „R94“ bezieht sich auf das Wohnprojekt an der Rigaer Straße.
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So sieht sie also aus, die Identität von Friedrichshain-Kreuzberg, die unbedingt erhalten bleiben muss. Erst vor wenigen Tagen betonten Bezirkspolitiker, wie wichtig Hausbesetzer für das Gesicht des Grün-regierten Bezirkes seien. Aus Rache für einen Polizeieinsatz in der Hausbesetzer-Szene zeigte die linksautonome Szene jetzt wieder ihre hässliche Fratze. Zum Leidwesen unschuldiger Bürger.

Es ist die Nacht zu Sonntag im Kiez an der Boxhagener Straße in Friedrichshain. Etwa 50 Vermummte ziehen ab 23.15 Uhr randalierend durch die Straßen. Ihr Hass entlädt sich an dem Hab und Gut der Anwohner. Zwischen der Jessnerstraße und der Wühlischstraße beschädigt der schwarz gekleidete Mob 19 Fahrzeuge. Autoscheiben werden eingeschlagen, Spiegel werden abgetreten.

„Außerdem hat es 13 weitere Sachbeschädigungen an Gebäuden gegeben“, sagt ein Polizeisprecher. Die meisten sind Graffiti-Schmierereien, darunter linke Parolen und Solidaritätssprüche zu den linken Hausprojekten Rigaer Straße 94 und Liebigstraße 34.  Aber auch Scheiben einer Sparkasse und eines Supermarktes werden eingeworfen. Immer wieder werden laute Parolen skandiert.

Als alarmierte Polizisten eintreffen, löst sich der aggressive Mob auf. Vier Verdächtige können in unmittelbare Nähe vorläufig festgenommen werden. Einer davon hat auffällige Utensilien, Handschuhe und Pyrotechnik dabei. Ein anderer wechselt gerade seine schwarze Kleidung. Bereits in der Nacht zum Freitag hatten linke Chaoten einen Transporter im Treptower Ortsteil Baumschulenweg angezündet. Der Anschlag galt zum wiederholten Mal dem deutschen Immobilienkonzern Vonovia.  

Die Polizei führt zwei Personen ab. Beamte nahmen ihre Personalien auf, danach kamen sie wieder frei.
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Ermittler werten die jüngsten Krawall-Nächte als Rache für einen Polizeieinsatz im linken Hausprojekt Rigaer Straße 94. Etwa 200 Beamte hatten am Donnerstag das Haus umstellt, LKA-Beamte sicherten in zwei Wohnungen Beweise für zwei Ermittlungsverfahren. Eine Polizistin soll im Januar aus dem Haus heraus mit einem Laserpointer geblendet worden sein und eine Augenverletzung erlitten haben. In dem anderen Fall geht es um Betrug.

Seit Jahren locken die symbolträchtigen Hausprojekte wie die Rigaer Straße 94 oder Liebigstraße 34 ein linksextremes Spektrum an, das regelmäßig eine Spur der Verwüstung hinterlässt. Aufgrund dieser Zerstörungswut hatten verängstigte Nachbarn Ende Juni einen Brandbrief an die Bezirkspolitik geschrieben. Darin bitten sie um Hilfe, weil sie sich bedroht fühlen.

Doch die Antwort – die von vier Bezirkspolitikern der Grünen und der Partei Die Linke unterzeichnet wurde – ist ein herber Schlag. Darin heißt es zu der Hausbesetzer-Szene: „Sie sind Teil unserer Identität, unabhängig davon, ob wir uns nun mit den dort geführten Diskursen identifizieren können oder nicht.“ Die Politiker können zwar die Sorgen der Bürger verstehen. Aber für die Vielfältigkeit von Friedrichshain-Kreuzberg seien Hausbesetzer eben unverzichtbar.