Alexander K. (hinter dem Ordner) spannte über viele Jahre Frauen und Mädchen in einem Sportverein aus. Olaf Wagner

Der Spanner stellte heimlich eine Tasche mit versteckter Kamera in die Umkleide- und Duschräume für Mädchen und Frauen. Bis ihn eine Putzfrau ertappte. Nun hat der Prozess begonnen.

Mit einer präparierten Tasche ging Alexander K. in die Damen-Umkleide

Es ist unklar, wann Alexander K. (47) als langjähriges Mitglied eines Sportvereins in Zehlendorf erstmals in die Damen-Umkleide schlich – mit präparierter Tasche. Darin eine Mini-Kamera, die er in Richtung Dusch-Bereich positionierte. Zeugin K. (73): „Es war eine große schwarze Tasche. Mal stand sie auf der einen Seite, mal auf der anderen.“ Sie passte gerade unter eine Bank.

Ein Verein, in dem seit Jahrzehnten Hockey und Tennis gespielt wird. Idyllisch gelegen, angenehme Atmosphäre. Auch Schwimmbad und Sauna gibt es. Im Mai 2017 dann der Schock: K. wurde als Spanner ertappt. Die aufmerksame Reinigungskraft informierte den Vorstand, der alarmierte die Polizei, informierte die Mitglieder – und warf K. umgehend aus dem Verein.

Mindestens neun Personen filmte der Angeklagte

Ermittlungen liefen an. Etliche Aufnahmen wurden ausgewertet. Eine Beamtin (58): „Wir konnten neun Personen ermitteln.“ Sportkameraden von K. – „da waren Erwachsene und Kinder drauf“. Immer wieder Nacktaufnahmen. Junge Tennisspielerinnen, eine pensionierte Lehrerin, auch ein Professor wurden von der Polizei zwei Jahre nach Ermittlungsbeginn über die heimlichen Aufnahmen informiert.

Sie konnten es kaum fassen. Zeugin G. (27): „Das nimmt einen mit.“ Ein tiefes Misstrauen. Und noch etwas beschäftigt die heutige Beraterin: „Auf den Bildern bin ich 16 bis 18 Jahre alt – es muss schon Jahre gehen.“

K. hat Jura studiert, lebt seit einigen Jahren von Hartz IV. Polizisten fanden nicht nur Spanner-Aufnahmen bei ihm: Auch massenhaft Kinderpornografie aus dem Internet. 63 Videos – Spieldauer 17 Stunden und 28 Minuten, zudem 219 Bilder. „Vorwiegend von weiblichen Kindern“, so die Anklage.

Angeklagter: Kinderpornografie als „Beifang“

Ohne Öffentlichkeit sein Geständnis. Kinderpornografie sei „nur Beifang“ gewesen. Er habe eigentlich Videodateien sehr junger Frauen sehen wollen. Es sei ihm nicht auf Kinderpornos gegangen. Warum er sie nicht löschte? Wegen „Sammellust“.

Und die versteckte Kamera? Er habe damals gedacht: „Macht ja nichts, wenn niemand davon erfährt, tut ja keinem weh …“ Seine Anwältin: „Eine Scheinrechtfertigung.“ Denn spätestens mit der Entdeckung tut es sehr weh.

Betroffenheit und auch Angst bei den heimlich Gefilmten bis heute. Da ist die bange Frage: Wo kursieren die Bilder, wer sieht das alles? Die Richterin konnte die Zeuginnen beruhigen: „Es gibt keine Hinweise, dass die Aufnahmen an Dritte weitergegeben wurden.“

Alexander K. im schwarzen Anzug vor der Richterin. Beteuerte: „Ich schäme mich sehr.“ Doch er habe sich in Therapie begeben, sei nun ein anderer Mensch. Die Anwältin: „Er ist schnell aus dem Verein geflogen, der sein Lebensmittelpunkt war.“

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Urteil gegen den Spanner: Zehn Monate Haft auf Bewährung wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen in sieben Fällen und Besitz von Kinderpornografie. Außerdem brummte ihm die Richterin 200 Stunden gemeinnützige Arbeit auf.