Auf der Anklagebank Abdulkadir O. (37), Spitzname „Tyson Ali“. Foto: Pressefoto Wagner

Es stank zum Himmel im „Horrorhaus von Spandau“: Eierwürfe, Kothaufen und Müll im Hausflur, beschmierte Briefkästen und Türen. Ein Ex-Bewohner: „Es war kein Klima, in dem man in Ruhe leben konnte.“

Dritter Tag im Prozess um Ekel-Vorfälle im „Horrorhaus“. Auf der Anklagebank sitzt Abdulkadir O. (37), Spitzname „Tyson Ali“. Er soll über eine Schwester verwandt sein mit dem berüchtigten Remmo-Clan. O. ist mehrfach vorbestraft. Nun lautet die Anklage auf Nachstellung, Sachbeschädigung, Nötigung, Körperverletzung.

Drei Nachbarn von „Tyson Ali“ aus dem Erdgeschoss sind in der Anklage als Geschädigte genannt, die er immer wieder auch verfolgt habe: Klaus-Dieter N. (69) und seine Ehefrau Karla N. (62) sowie Hildegard J. (60), drei Wohnungseigentümer. Doch Abdulkadir O. soll die ganze Nachbarschaft schikaniert und das Leben im Haus derart vergiftet haben, dass Bewohner krank wurden.

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Oder das „Horrorhaus“ verließen. Wie Lehrer Martin S. (64). Er trat nun als Zeuge auf. Kurzer Blick zu O., der im schlichten Strickpullover neben seinen beiden Verteidigern saß und sich eifrig Notizen machte. Lehrer S. mit fester Stimme: „Jeder Tag, an dem ich ihn nicht gesehen habe, war ein guter Tag.“

Der Lehrer und seine Frau waren 1993 in die Wohnung im dritten Stock gezogen. Alles war gut. Der Lehrer: „Dann zog 2014 Herr O. ein.“ Am Anfang habe er versucht, den Neuen im Haus freundlich zu grüßen. Martin S.: „Doch er hat nur böse geguckt, da ließ es es sein.“ Und bedrohlich habe sich O. ihm in den Weg gestellt.

Mit dem neuen Nachbarn sollen Vandalismus, Dreck und Ekel im Treppenhaus eingezogen sein. Lehrer S.: „Ständig wurden rohe Eier ausgekippt, Kothaufen wurden hingelegt, Briefkästen und Türen mit Fäkalien oder Ketchup beschmiert.“ Sie hätten sich schließlich im Nachbarhaus einen Briefkasten gemietet - „es war nicht möglich, Post zu bekommen“. Und nachts immer wieder nerviges Klopfen gegen Heizungsrohre - „man wusste nie, ob man schlafen kann“.

Der Lehrer zum Richter: „Begegnungen mit dem Menschen waren unangenehm. Wenn er im Hausflur war, bin ich nicht raus - egal, ob ich zu spät zu einem Termin kam.“ Er und seine Frau verkauften ihre Wohnung schließlich über einen Verein - „ohne Gewinn“. 2018 zogen sie aus.

Die Anwälte von O.: „Haben Sie denn gesehen, war Dreck im Hausflur deponierte?“ Zeuge S. musste zugeben: „Erwischt habe ich den oder die Täter nicht.“ Und die Ehefrau von S.: „Herr O. ist nachtaktiv.“ Der Prozess geht Mittwoch weiter.