An der Weddinger Müllerstraße schossen einer oder mehrere Täter etwa 30 Mal auf Gäste einer Shisha-Bar.
Morris Pudwell

Bei der Schießerei vor einer Shisha-Bar in Wedding handelt es sich möglicherweise um eine Tat im Milieu der albanischen Mafia. „Die drei Opfer konnten aufgrund ihrer schweren Verletzungen noch nicht vernommen werden“, sagte Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, am Dienstag.

Am späten Sonntagabend hatten einer oder mehrere Unbekannte an der Müller-, Ecke Transvaalstraße auf Gäste geschossen, die im Außenbereich einer Shisha-Bar saßen. Fast 30 Schüsse wurden abgegeben. Anschließend sollen der oder die Täter mit einem Auto geflüchtet sein. Eines der drei angeschossenen Opfer wurde, wie berichtet, sieben bis acht Mal von Schüssen in den Oberkörper getroffen.

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Laut einem Bericht der „B.Z.“ handelt es sich wohl um eine Racheaktion. Hintergrund soll ein geplatztes Marihuana-Geschäft im mittleren zweistelligen Kilobereich sein. Martin Steltner wollte dies am Dienstag nicht bestätigen. Das Motiv für die Tat sei noch völlig unklar, sagte er. Allerdings soll es nach Angaben von Ermittlern tatsächlich um Drogen gegangen sein.

Laut Steltner sind die Opfer serbischer Herkunft. Ermittlern zufolge gehören sie der albanischen Volksgruppe in Serbien an. Auch die Täter werden im Milieu albanischer Clans vermutet. Die Mitglieder solcher Clans sind, anders als bei arabischstämmigen Großfamilien, oftmals nicht über ihre Verwandtschaft, sondern vor allem über ihre Herkunft verbunden und stammen zum Beispiel aus demselben Dorf oder derselben Stadt.

Dichtes mafiaartiges kriminelles Netzwerk in Europa

Diese Clans haben Ermittlern zufolge in den letzten Jahrzehnten ein dichtes mafiaartiges kriminelles Netzwerk in Europa aufgebaut, das sich unter anderem massiv im Rauschgiftgeschäft betätigt. So gab es vor vier Jahren eine Schießerei in einer Bar in der Groninger Straße in Wedding, bei der zahlreiche Projektile aus einer Kalaschnikow auf die Fensterfront abgefeuert wurden. Hintergrund war ein Streit um ein Kokain-Geschäft zwischen albanischen und tschetschenischen Kriminellen.

„Durch die fortlaufende Rückkehr des öffentlichen Lebens drängen auch schwer bewaffnete Kriminelle wieder an die Öffentlichkeit“, sagt Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei. „Während der Corona-Pandemie wurden zahlreiche Geschäftsfelder der Organisierten Kriminalität eingedämmt, sodass der eine oder andere vielleicht auch die Chance wittert, bestehende Machtverhältnisse mal neu auszuloten. Dass dabei weder vor Waffengewalt noch schwersten Verletzungen zurückgeschreckt und auch massiv mit dem Leben von Unbeteiligten gespielt wird, gehört zum Machogehabe in besagten Kreisen.“