Die Ersthelfer, darunter Friseure eines nahe gelegenen Salons, tragen das schwer verletzte Opfer vom Innenhof auf die Straße.  Foto: Screenshot/Youtube

Ein Mann trägt einen Verletzten auf der Schulter, während zwei seiner Kollegen eine Polizeistreife ranwinken. Es sind Friseure, die am Montagabend nach den Schüssen in Schönberg zu Ersthelfern wurden. Das Bild stammt aus einem Zeugenvideo, dass die Polizei nun auswertet. 

Nach der blutigen Gewalttat in der Goebenstraße (KURIER berichtet) gibt es mittlerweile Hinweise darauf, dass einige der Beteiligten der Organisierten Kriminalität zugeordnet werden. Laut Staatsanwaltschaft war gegen 17.30 Uhr ein Streit unter Bekannten eskaliert, der dann in einem Innenhof blutig endete. Nach Angaben der Polizei soll das Opfer (24) von mehreren Männern angegriffen und mit stumpfer Gewalt gegen den Kopf schwer verletzt worden sein. Schüsse haben ihn nicht getroffen. Er kam blutüberströmt mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus, wo er notoperiert wurde. Er ist außer Lebensgefahr. 

Polizisten haben einen Verdächtigen festgenommen. Der 24-Jährige soll an der Tat beteiligt gewesen sein, aber nicht geschossen haben.  Foto: Morris Pudwell

Nach KURIER-Informationen ist das Opfer polizeibekannt und wird dem kriminellen Clan-Milieu zugeordnet. Der gleichaltrige Verdächtige, der 45 Minuten nach der Tat mit Hilfe einer detaillierten Personenbeschreibung festgenommen werden konnte, habe ebenfalls Verbindungen zu einer arabischen Großfamilie. Die Staatsanwaltschaft wollte dies auf Anfrage nicht bestätigen. „Es gibt aber vage Hinweise darauf, aber noch nichts Konkretes“, sagt Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bei dem 24-jährigen Verdächtigen gehen die Ermittler mittlerweile davon aus, dass es sich bei ihm nicht um den Schützen handelt. Der Mann habe deshalb auch keinen Haftbefehl erhalten. „Das genaue Motiv der Tat ist jedoch weiterhin unklar“, so Steltner. Ein Mann aus dem Kreis der Tatverdächtigen soll zudem Verbindungen zu Nidal R. haben. Der Intensivtäter war vor etwa zwei Jahren mitten am Tag nahe des Tempelhofer Feldes mit mehreren Schüssen hingerichtet worden. Die Täter wurden bis heute nicht gefasst.

Die Ermittlungen in dem Fall gestalten sich schwierig. Trotz etlicher Zeugen kommen die Ermittler der 1. Mordkommission nur häppchenweise an Informationen zum Tathergang. „Die Leute, die was wissen oder gesehen haben, sagen nichts, weil sie Angst haben“, heißt es aus dem Polizeipräsidium. Die Polizei wertet mittlerweile mehrere Zeugenvideos aus, die im Internet hochgeladen wurden. Die Aufnahmen zeigen unter anderem, wie nach der Tat etwa ein Dutzend Männer nervös durch einen Hofdurchgang auf die Goebenstraße flüchtet. Zwei der Männer haben jeweils eine Machete und einen Baseballschläger in der Hand. Wenige Sekunden vor der Flucht sind mindestens zehn Schüsse zu hören, die durch den Innenhof hallen. 

Drei Verdächtige flüchten nach den Schüssen aus der Hofeinfahrt. Zwei von ihnen sind mit Baseballschläger und Machete bewaffnet. 
Foto: Screenshot/Youtube

Am Dienstag wollten selbst die Ersthelfer, also die Friseure, nichts gesehen haben. Nur der Hausmeister, der für den Innenhof zuständig ist, machte klar, dass das Tor in Zukunft mit einem neuen Schließsystem ausgestattet werden soll. „Da spielen sonst Kinder, die geschützt werden müssen“, sagt er dem KURIER. Anwohner meinten, dass die Straße sonst eine sehr ruhige Wohngegend sei, in der keine kriminellen Gangs verkehren würden. Offenbar war die Auseinandersetzung dort zufällig eskaliert, vermutet eine Frau, die anonym bleiben möchte.