Werner Sintic hat als SEK-Beamter jahrelang auf den Schießständen giftige Pulverdämpfe eingeatmet. Gerd Engelsmann

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch den Leichnam eines verstorbenen Polizisten beschlagnahmt. Der ehemalige SEK-Beamter Werner Sintic war am Montag im Alter von 52-Jahren an Krebs gestorben. Der Tote soll nun in der Rechtsmedizin obduziert werden, denn die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

Denn über Jahre hinweg mussten Polizisten auf völlig maroden Schießständen trainieren. Weil die Abluftanlagen nicht richtig funktionierten, atmeten sie beim Training giftige schwermetallhaltige Pulverdämpfe ein. Viele erkrankten.

Mit dem Tod des Polizisten forderte Affäre um die vergifteten Schießstände der Polizei ein weiteres mutmaßliches Todesopfer. Sintic, der seit 1998 beim Spezialeinsatzkommando war, hatte auf den maroden Schießständen trainiert. Im November 2018 bekam er die Diagnose Bauchspeicheldrüsen-Krebs. Es folgten zwölf Chemotherapien und eine Operation.

18 tote Polizisten, die giftige Pulverdämpfe einatmeten

Nach Schätzung des Biss e.V., der betroffene Beamte vertritt, erlagen insgesamt 18 Polizisten Krankheiten, die mit den giftigen Pulverdämpfen in den Schießständen in Verbindung zu bringen seien. Sie gehörten wie Sintic zu den „Vielschießern“ – SEK-Beamte, Polizisten des Mobilen Einsatzkommandos, Personenschützer. Viel Zeit verbrachte Werner Sintic auf dem Schießstand an der Bernauer Straße, der jetzt geschlossen ist. „Wir hatten nach dem Schießen Kopfschmerzen, haben gehustet“, hatte er noch im Januar gesagt. Doch die Behördenleitung missachtete nach Aussage der Polizisten den Arbeitsschutz und ignorierte über Jahre die Warnungen.

Deshalb ermittelt auch die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung im Amt durch Unterlassen. Der Biss e.V. schätzt, dass von der Schießstand-Affäre etwa 1600 Polizisten betroffen sind. Werner Sintic bekam Geld aus einem vom Senat aufgelegten Entschädigungsfonds. Andere, die ebenso intensiv trainierten wie er, wurden abgelehnt und bekamen nichts. Die Kriterien, nach denen eine dreiköpfige Kommission darüber entschied, sind nach Ansicht vieler Kritiker nicht transparent. Am 10. März demonstrierten seine Kollegen vor dem Polizeipräsidium. Sie verlangten, dass seine Krankheit als Dienstunfall anerkannt wird. Dann wäre seine Familie besser abgesichert, die bisher vor allem mit der Bürokratie kämpfen musste. Die meisten maroden Schießstände mussten inzwischen geschlossen werden. Neue Trainingsstätten werden gebaut.