Der Angeklagte Patrick Losensky alias Fler.

Foto: Pressefoto Wagner

Dem Rüpel-Rapper verschlugt es vor Gericht die Sprache: Rapper Fler (38) hüllte sich als Angeklagter in Schweigen. Es geht um gleich acht Anklagen.

 Der Rapper in leuchtendem Outfit: In roter Samtbomberjacke saß Fler, bürgerlich Patrick Losensky, neben seinen beiden Anwälten im Saal 500 des Moabiter Kriminalgerichts. Der ist seit Wochen in einem anderen Verfahren auch Bühne für einen seiner Rap-Kollegen: Bushido (42) plaudert als Zeuge im Prozess gegen Clanchef Arafat Abou-Chaker (44). Bushido und Fler waren einst gute Freunde. Seit Jahren aber läuft eine Dauerfehde – in ihren Songs rechnen sie mit schweren Verbal-Geschützen miteinander ab.

Acht Anklagen gegen Fler. Die Vorwürfe lauten auf Fahren ohne Fahrerlaubnis, versuchte Nötigung, Sachbeschädigung, verbotene Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen. Immer wieder soll er andere Menschen wüst verunglimpft und beleidigt haben. Eine Nachbarin habe es im Juli 2018 getroffen – „fette Kuh“ und schlimmer. Auf einem Videoportal im Internet sei im März 2020 Bushido beschimpft worden – als „Bastard“ und „ekliger Hund“.

Auch ein Penis war zu sehen

Ganz übel soll Fler die Ehefrau von Bushido mit Fotos gedemütigt haben – dabei soll auch ein Penis zu sehen gewesen sein. Und es geht um verbale Wutausbrüche gegen Polizeibeamte. Bei einem Vorfall am 22. September 2019 in Zehlendorf sollen Fler und seine Begleiterin gefilmt und dann über soziale Medien verbreitet haben. Der Rapper sollte kontrolliert werden – wegen Verdachts auf Fahren ohne Pappe.

Ein Beamter (32) als erster Zeuge: „Wir hatten einen Hinweis auf einen Wagen bekommen.“ Weißer Mercedes der Nobelklasse. Fler sei „sofort in Rage geraten“. Habe sich nicht ausweisen wollen, habe getobt: „Lappen“, „Hampelmann“, „Stück Scheiße“ und immer wieder „Schwanz“. Ein anderer Beamter: „Ein bunter Strauß Beleidigungen.“ Während der Kontrolle bekam er Handfesseln.

Fler lehnte es ab, Kronzeuge zu werden

Der Promi-Angeklagte nun mit Promi-Verteidiger. Der Anwalt zu den angeblichen Beleidigungen: Die „Äußerungen“ würden nicht im Kontext gesehen. Und sie seien „im Lichte der Meinungsfreiheit“ zu betrachten. Der Anwalt: „Im Rapper-Milieu wird beleidigt.“ Das gehöre zur Kultur. Der Verteidiger: „Wie beim Boxen - wer freiwillig in den Ring steigt, kann den andern später nicht wegen Körperverletzung anzeigen.“

Schikane habe Fler erlebt. Er sei in den Focus der Polizei geraten, weil er es abgelehnt habe, eine Art Kronzeuge zu werden gegen Personen der Organisierten Kriminalität. Fortsetzung: 25. November.