In Zusammenhang mit dem Dresdner Millionenraub fahndet die Polizei nach Abdul Majed Remmo (links) und Mohamed Remmo. Foto: Polizei

Nach den Festnahmen im Fall des Millionenraubs im Grünen Gewölbe in Dresden sind zwei Verdächtige noch immer auf der Flucht: Bei den gesuchten Männern handelt es sich nach Angaben der Polizei um die Zwillinge Abdul Majed Remmo und Mohamed Remmo (21). Einer der beiden könnte mit einem grauen Renault Megane (B-HB 306) neuerer Bauart unterwegs sein. Hinweise zu den Flüchtigen nimmt jeder Polizist entgegen.

Schwer bewaffnete Einsatzkräfte aus mehreren Bundesländern hatten in der Nacht zu Dienstag drei Männer im Alter von 23 und 26 Jahren festgenommen. Nach KURIER-Informationen hatten Spezialeinsatzkommandos mehrere Wohnungen des Remmo-Clans in Kreuzberg, Wedding und Neukölln gestürmt. Die Spur zu den Verdächtigen führte über DNA-Spuren und den Fluchtwagen, der wie ein Taxis getarnt war. 

Beamte einer Einsatzhundertschaft bewachen den Eingang des Wohnhauses, in dem Angehörige des Remmo-Clans festgenommen wurden.  Foto: Eric Richard

In Berlin durchsuchten knapp 1640 Polizisten aus mehreren Bundesländern 18 Objekte, darunter zehn Wohnungen sowie Garagen und Fahrzeuge. Dutzende Einsatzkräfte durchsuchten unter anderem Wohnungen in der Gitschiner Straße und Gneisenaustraße in Kreuzberg, in der Prinzenallee und Wollankstraße in Wedding sowie in der Hermannstraße in Neukölln. Polizisten überprüften vor den Häusern mehrere Stunden lang die Personalien der Anwohner, da weiterhin nach den beiden flüchtigen Remmo-Zwillingen gefahndet wird.

Bei allen fünf Verdächtigen handelt es sich nach Informationen dieser Zeitung um Angehörige der Berliner Großfamilie Remmo. Andere Mitglieder des arabischstämmigen Clans werden auch für weitere spektakuläre Coups verantwortlich gemacht. Dazu zählt der Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum. Dafür waren zwei Männer verurteilt worden, darunter auch ein 23-Jähriger, der jetzt im Zusammenhang mit dem Juwelenraub in Dresden verhaftet wurde.

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Im Zentrum der heutigen Maßnahmen stehe neben den Festnahmen „die Suche nach den entwendeten Kunstschätzen und möglichen Beweismitteln, wie Speichermedien, Bekleidungsstücken und Werkzeugen“, teilte die Polizei mit. Aufgrund des Polizeieinsatzes sei „den ganzen Tag über mit erheblichen Verkehrseinschränkungen im gesamten Stadtgebiet“ von Berlin zu rechnen, teilte die Polizei weiter mit. 

Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft den Beschuldigten schweren Bandendiebstahl und Brandstiftung in zwei Fällen vor. Auf die Spur der Verdächtigen seien die Sicherheitsbehörden mit Hilfe der Auswertung der Überwachungskameras am Dresdner Tatort gekommen, sagte ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft. Bei den kriminaltechnischen Untersuchungen am Residenzschloss konnten an einem Fenster DNA-Spuren gesichert werden, die die Verdächtigen schließlich überführten, hieß es.

Nach Angaben der Dresdner Staatsanwaltschaft gibt es noch keinen Hinweis auf den Verbleib des Diebesguts. Die Ermittler haben derzeit auch wenig Hoffnung, dass die Objekte wieder nach Dresden zurückkehren, hieß es. „Da müsste man sehr viel Glück haben, dass man die ein Jahr nach der Tat noch finden würde“, sagte der Sprecher der Dresdner Polizei, Thomas Geithner, dem MDR.

Ein Tatverdächtiger wird am Dienstag von Polizisten in das Gebäude des Oberlandesgerichts in Dresden geführt.  Foto: dpa/Robert Michael

Eine Berliner Werkstatt tarnte den Fluchtwagen in Taxi-Optik

Erst im September hatten Ermittler im Auftrag der Dresdner Staatsanwaltschaft mehrere Autowerkstätten in Berlin durchsucht. Die Firmen sollen den als Fluchtwagen genutzten und später in Brand gesetzten Wagen der Täter mit Kunststofffolie beklebt haben, um dessen Äußeres zu verändern. Das Fahrzeug war nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Taxi-Optik getarnt. Mitarbeiter der betroffenen Betriebe wurden in dem Zusammenhang nicht als Tatverdächtige, sondern lediglich als Zeugen geführt. Laut Staatsanwaltschaft soll in den Werkstätten niemand Bescheid gewusst haben, warum das Auto wie ein Taxi aussehen sollte.

Etwa zwei Wochen vor den Razzien in den Werkstätten hatten Einsatzkräfte eine Berliner Wohnung und Büros eines weiteren Zeugen durchsucht. Der Mann soll den Tätern SIM-Karten verkauft oder diese zum Vertrieb an ein Internetcafé weitergegeben haben. Auch er gilt ebenfalls nicht als Verdächtiger.

Die Lage des Grünen Gewölbes in Dresden.
Foto: dpa/infografik GmbH

Auch das Tatwerkzeug soll die Einbrecherbande überführt haben. Bei dem Diebstahl hatten die Täter Spezialwerkzeug verwendet, das zuvor gestohlen worden war. Die Sonderkommission „Epaulette“ der Dresdner Polizei stellte bereits am 5. Dezember 2019 eine bundesweite Anfrage an alle Länderpolizeien und das Bundeskriminalamt. Die Ermittler wollten wissen, wo Straftaten bekannt sind, bei denen Schneid-, Spreiz- oder Kombigeräte der Erlanger Firma Lukas Hydraulik GmbH entwendet wurden. Geräte jener Marke, wie sie in Dresden verwendet wurden, waren bei Einbrüchen in Berliner Feuerwachen weggekommen.

Einige Stücke aus der Beute: Der Bruststern des Polnischen Weißadlerordens (zwei sächsische Kurfürsten waren Könige Polens), eine große Brustschleife, ein sonnenförmiger Haarschmuck, darunter ein Juwel des Polnischen Weißadlerordens, eine Kette aus 177 sächsischen Perlen, ein Degen des Diamantrose-Sets, eine Epaulette des Diamantrosen-Sets und ein Haarschmuck in Form eines Halbmonds.   Fotos: Jürgen Karpinski/Grünes Gewölbe/Polizeidirektion Dresden/dpa

Bei dem Einbruch in das Grüne Gewölbe hatten Einbrecher den mit Brillanten besetzten Schmuck gestohlen. Mehrere Männer waren am 25. November 2019 in das weltbekannte Dresdner Museum eingestiegen, wo sie eine Vitrine mit einer Axt zertrümmerten und anschließend mit Schmuck von unermesslichem Wert entkamen.

Am Nachmittag wurde für alle drei Festgenommenen Haftbefehl erlassen.