Clan-Chef Arafat Abou-Chaker diskutiert mit Einsatzkräften vor einem Bürokomplex in der Puderstraße in Treptow.  Foto: Eric Richard

Razzia im Clan-Milieu! Am frühen Dienstagmorgen wurden Spezialeinsatzkräfte der Polizei zum Weckdienst für mehrere Mitglieder einer libanesischen Großfamilie. 300 Polizisten und Steuerfahnder durchsuchten zeitgleich ab 6 Uhr 18 Häuser und Büros in Berlin, Brandenburg und der Schweiz. 

Die Ermittler durchwühlten unter anderem ein Bürokomplex in der Puderstraße in Treptow und eine Anwaltskanzlei in der Meinekestraße in Charlottenburg. Nach KURIER-Informationen wurden auch Beweismittel auf dem Grundstück von Clan-Chef Arafat Abou-Chaker in Kleinmachnow gesichert. Der 44-Jährige und seine drei Brüder müssen sich derzeit vor dem Landgericht verantworten. In dem Prozess geht es um versuchte schwere räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Beleidigung zum Nachteil des Rappers Bushido. Das Verfahren soll Hinweise auf weitere Straftaten im Zusammenhang mit den Management-Leistungen Abou-Chakers in der Rap-Szene ans Licht gebracht haben. 

Die Ermittlungen wegen des Steuerbetrugs und der Geldwäsche richten sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft ebenfalls gegen vier Beschuldigte, die teilweise dem Bereich der Organisierten Kriminalität zugeordnet werden. Es gehe es um Managerhonorare in der Rapper-Szene, woraufhin die Staatsanwaltschaft Vermögen in Höhe von mehreren Millionen Euro vorläufig sichergestellt hat. Festnahmen habe es zunächst keine gegeben.

Polizei und Medienvertreter stehen vor dem Grundstück von Arafat Abou-Chaker in Kleinmachnow.  Foto: Eric Richard

Norbert Cioma, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagte am Dienstag: „Die heutigen Maßnahmen sind wichtig, denn der Rechtsstaat muss immer weiter dranbleiben, um den Sumpf trockenzulegen. Clans wie die Abou-Chakers haben in den letzten Jahren viel illegales Geld in den legalen Kreislauf gespeist, mit Drogengeschäften, Schutzgelderpressung und anderen kriminellen Einnahmequellen Immobilien und andere Luxusgüter finanziert

Berliner GdP-Chef Cioma spricht von „Geldwäscheparadies“

Cioma sagte weiter: „In unserem Geldwäscheparadies werden jährlich mehr als 100 Milliarden Euro reingewaschen. Um dem endlich einen Riegel vorzuschieben, brauchen wir eine personelle und technische Aufstockung bei den zuständigen Behörden sowie die vollständige Umkehr der Beweislast bei der Vermögensabschöpfung.“