Vincent R. hält sich am Tag der Urteilsverkündung einen Aktenordner vors Gesicht, er will nicht fotografiert werden. An seiner Seite sein Anwalt Morad Sehouli.
Vincent R. hält sich am Tag der Urteilsverkündung einen Aktenordner vors Gesicht, er will nicht fotografiert werden. An seiner Seite sein Anwalt Morad Sehouli. dpa/Soeren Stache

Zwei Frauen (28, 32) starben, eine mitsamt ihrem ungeborenen Kind: Sie hatten keine Chance, als ein 510-PS-Mercedes den Skoda seitlich aufriss, in dem sie saßen. Der Mann (24), der den Unfall bei Schildow nördlich von Berlin verursacht hatte, muss jetzt für sieben Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Glück für Vincent R.: Ursprünglich unter anderem wegen zweifachen Mordes angeklagt, wurde er am Donnerstag vom Landgericht lediglich wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge und fahrlässiger Körperverletzung verurteilt.

Der Tod kam mit 177 Stundenkilometern

Der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann erklärte, der damalige Kfz-Azubi aus Hohen Neuendorf habe im Juli 2021 die Fahrt bewusst unternommen, um seinem Beifahrer den vom Arbeitgeber geliehenen Sportwagen und seine Fahrkünste bei höchst möglicher Geschwindigkeit  vorzuführen. Er war teilweise mit über 230 Stundenkilometern auf der Tempo-100-Strecke unterwegs.

Das hatte ein katastrophales Ende genommen: In einer Rechtskurve auf der Bundesstraße 96a im Mühlenbecker Land – nunmehr 177 km/h schnell – geriet der Mercedes auf die Gegenfahrbahn, stieß mit dem Skoda zusammen und ließ ihn in den Straßengraben fliegen. Die Frauen starben, eine Frau und ein Mann als weitere Insassen des Skoda wurden schwer verletzt.

Anwälte der Verwandten der Opfer forderten als Nebenkläger lebenslange Haft

Die Staatsanwaltschaft war vom Mordvorwurf abgerückt, hatte acht Jahre Haft wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge gefordert. Die Vertreter der Nebenkläger – Familienangehörige der getöteten Frauen – hatten für den 24-Jährigen eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes verlangt.

Der jetzt verurteilte Raser und sein damals 31 Jahre alter Beifahrer hatten nach dem Unfall versucht, zu flüchten. Sie waren nach etwa 800 Metern von der Polizei gestellt worden. Bei dem Unfallfahrer sei eine Alkoholisierung „im Bereich der Fahruntüchtigkeit“ festgestellt worden, hatte Oberstaatsanwalt Andreas Pelzer im April 2022 erklärt. Kurz zuvor war der Mann in Untersuchungshaft genommen worden.