Schickes Auto mit ordentlich Wumms unter der Haube. Nur leider an der falschen Stelle bei einem Rennen eingesetzt. Die Polizei stoppte den 453-PS-Chevvy und beschlagnahmte ihn. 
Foto: Morris Pudwell

Berlin ist Raser-Hauptstadt Deutschlands. 2019 gab es in der Stadt 390 Fälle illegaler Rennen und Einzel-Raser, gerechnet auf die Einwohnerzahl sind das gut zehn Fälle auf 100.000 Berliner. In absoluten Zahlen lag zwar Nordrhein-Westfalen mit 659 Rasereien in einer bundesweiten Statistik vor Berlin auf Platz 1. Das Bundesland hat aber viel mehr Einwohner, so dass auf 100.000 Menschen nur 3,7 Fälle kommen.

Seit die Bundesregierung das Rasen 2017 zum Straftatbestand gemacht hatte, sind die Fallzahlen zum Teil dramatisch gestiegen, wie neun Bundesländer mitteilten. Dort zählte die Polizei 2019 rund 1900 Fälle, um die 700 mehr als 2018. 

Und das trotz harter Urteile. 2017 wurden beispielsweise die beiden Kudamm-Raser wegen Mordes verurteilt: Einer der beiden hatte 2016 den Wagen eines Rentners gerammt, der ums Leben kam. In letzter Instanz wurde das Urteil gegen einen der Männer im Juni 2020 bestätigt - er  muss lebenslang hinter Gitter.

„Früher gab es organisierte illegale Rennen, häufig langfristig geplant, oft mit internationalen Teilnehmern. Das wird seit mehreren Jahren nicht mehr festgestellt“, sagt ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums. Häufig sind dagegen  spontane Aufeinandertreffen zweier Bleifußfreunde. „Es kann auch einer allein sein, der gegen die Stoppuhr fährt“, sagt der Sprecher. Ein weiteres Motiv, viel zu schnell zu fahren, ist  die Flucht vor der Polizei. In Sachsen-Anhalt beispielsweise versuchten die meisten der 53 Raser, den Beamten zu entkommen.

„Unfälle mit Rasern enden oft tödlich, und sie sind häufig auf Gleichgültigkeit gegenüber der Sicherheit anderer zurückzuführen“, sagt Verkehrssicherheitsforscher Jörg Kubitzki vom Allianz Zentrum für Technik. Kubitzki sieht das Raserphänomen als extreme Ausprägung allgemein zunehmender Rücksichtslosigkeit im Verkehr: „Dazu zählen auch das Benutzen der Rettungsgasse, die Nutzung des Abbiegestreifens zum Geradeausfahren oder Nötigungsdelikte zum Zweck des schnelleren Vorwärtskommens.“

Einen Gesamtüberblick über alle 16 Bundesländer gibt es nicht. Vier führen keine Raser-Statistik, drei ließen die Anfrage von dpa unbeantwortet.