Fleischermeister Andreas Kämpf mit seiner Mutter Renate. Sie liegt schwer verletzt im Urban-Krankenhaus Foto: privat

Ein Raser hat mittags an der Ecke Silberstein- und Hermannstraße die Rentnerin Renate Kämpf (81) erfasst. Die Mutter des bekannten Neuköllner Imbissbetreibers Andreas Kämpf (56, „Curry-Paule“) wurden dabei beide Beine gebrochen. Der Fahrer wurde festgenommen. Andreas Kämpf macht sich große Sorgen um die Sicherheit in der Stadt.

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Der Audi mit einem Kennzeichen aus dem brandenburgischen Fürstenwalde war kurz zuvor auf der Stadtautobahn einer Zivilstreife aufgefallen, weil er zu schnell unterwegs war. Der Fahrer (25) versuchte, sich einer Kontrolle zu entziehen, fuhr mit hoher Geschwindigkeit davon und verließ die Autobahn an der Ausfahrt Oberlandstraße. In der Silbersteinstraße raste der Berliner auf eine Verkehrskontrolle zu, ignorierte die Haltesignale der dort eingesetzten Polizisten - sie mussten zur Seite springen, um nicht angefahren zu werden.

Der zerstörte Audi des Rasers, der mit bis zu 100 Stundenkilometern vor der Polizei geflüchtet war und Renate Kämpf schwer verletzte. Hinter dem Wrack steht der Zivil-BMW der Polizei.

Foto: Morris Pudwell

An der Ecke Silberstein- und Hermannstraße versuchte der Audifahrer zu wenden oder abzubiegen, verlor dabei die Kontrolle über sein Auto. Er geriet auf den Gehweg, erfasste die Fußgängerin und prallte gegen einen Ampelmast. Das Zivilfahrzeug touchierte ihn noch an der Fahrerseite. Der Fahrer wurde festgenommen und erklärte, unter Drogen zu stehen und keinen Führerschein zu haben. Das Auto sei nicht seins, der Eigentümer wisse nicht, dass er damit unterwegs sei.

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Andreas Kämpf: „Meine Mutter war mit meinem Onkel Wolfgang nach einem Spaziergang auf dem Weg nach Hause. Er wollte sie noch wegschubsen, aber mit 77 hat er nicht mehr so viel Kraft.“ Die Mutter sei von hinten umgefahren worden und mit den Beinen unter das Auto geraten. Beide Beine sind gebrochen, auf einer Seite erlitt die Rentnerin einen offenen Schienbeinbruch. Sie verlor viel Blut, berichtet ihr Sohn,  wurde ins Urban-Krankenhaus gebracht und dort operiert. Andreas Kämpf: „Ich darf sie wegen Corona nicht besuchen, es soll ihr sehr schlecht gehen.“ 

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Der Imbissmann, ein angestammter Neuköllner, ist nicht nur wegen des Unfalls seiner Mutter wütend: „Man fühlt sich nicht nur in Neukölln nicht mehr sicher. Der Senat muss sich endlich um die innere Sicherheit kümmern. Ich will nicht hinnehmen,  dass Verfolgungsjagden, Schießereien und Messerstechereien auf der Tagesordnung sind und zu einer Art Normalität werden.“ Er habe immer Vertrauen in die Politik gehabt, aber es müsse sich endlich etwas tun.

Der Fahrer wurde nach einer Blutentnahme entlassen.