Der Apotheker Ulrich C. (59, li.) mit seinem Anwalt vor Gericht. Pressefoto Wagner

Der Apotheker blendete die Risiken aus und mischte mit bei einem groß angelegten Schwindel: Betrug auf Rezept.

Eine der heftigen Nebenwirkungen: Apotheker C. (59) steht nun vor Gericht. Er muss damit rechnen, dass ihm die Richter Knast verordnen. Jahrelang soll er kriminell abkassiert haben – laut Anklage soll er 887.064 Euro in der Zeit von 2013 bis Mitte 2017 ergaunert haben.

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Gefälschte Rezepte über hochpreisige Arzneimittel wie Krebsmedikamente wurden laut Ermittlungen bei C. und in weiteren Apotheken eingelöst. Die so erschwindelten echten Arzneien wurden weiterverkauft.

Der Apotheker: „Ich habe die Grenze zwischen erlaubt und verboten aus den Augen verloren.“ In den Schwindel sei er durch einen Mann hineingezogen worden, der zunächst wie ein Kunde in seine Apotheke kam, Rezepte für sich und andere einlöste: Klaus H. (56), ein gescheiterter Pharmazeut.

Insgesamt fünf Apotheker machten mit. Schaden: 2,5 Millionen Euro

H. wurde zu einem Hauptakteur in dem Fälscherring. Die mit Fälschungen ergatterten Medikamente gingen wiederum an Apotheker mit Großhandelslizenz zu 30 Prozent unter Großhandelspreis. Diese rechneten die Rezeptfälschungen als echt schließlich bei den Krankenkassen ab. Insgesamt fünf Apotheker seien involviert gewesen. Schaden: 2,5 Millionen Euro.

C. ließ sich hineinziehen. Die Verordnungen, die H. brachte, seien ihm zunächst plausibel vorgekommen, so der Angeklagte. Irgendwann sei H. gekommen und habe von Medikamenten gesprochen, die bei Bekannten „übrig“ seien. Man würde sich über etwas Geld freuen. Dass er es mit Fälschungen zu tun hatte, habe er zumindest für möglich gehalten, gestand C.

Dem Apotheker drohen nach einer Absprache drei bis dreieinhalb Jahre Knast 

Ein „Zubrot“. Groß die Verlockung – „ich konnte nicht widerstehen“. Zwar habe er nie auf großem Fuß gelebt, so C. Doch damals habe es bei ihm durch den Kauf eines Mehrfamilienhauses finanziell nicht so gut ausgesehen

Irgendwann bemerkten Krankenkassen den Schwindel. C. musste tief in die Tasche greifen: „Habe inzwischen fast alle Schulden bei den Krankenkassen abbezahlt.“. Er habe dafür sein Elternhaus und weitere Immobilien verkaufen müssen – „die waren für meine Altersvorsorge gedacht“. Inzwischen sei er nur noch erschöpft.

Für Klaus H. gab es bereits in einem früheren Prozess fünf Jahre und zehn Monate Knast. Auf Apotheker C. kommen nach einer Verständigung der Prozessbeteiligten drei bis dreieinhalb Jahre Haft zu. KE.