Pressefoto Wagner James W. (21) vor Gericht. Er wird jetzt in der Gerichtspsychiatrie untergebracht.

Was für ein Schock für eine Mutter: Plötzlich schnappt sich ein Mann den Kinderwagen und schiebt ihn mit ihrem Baby auf eine stark befahrene Straße.

Nach der dramatischen Szene auf der Brückenstraße in Berlin-Mitte nun der Prozess gegen James W. (21). Lächelnd saß er auf der Anklagebank und sagte nur: „Ich will nach Hause.“

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Amara P. (30, Name geändert) wird nie vergessen, was am 8. Dezember geschah. Sie war aus Erfurt angereist – ihr erster Besuch in Berlin. Ihr Ziel: Die nigerianische Botschaft. Sie wollte für ihr damals fünf Monate altes Mädchen einen Pass beantragen. Doch gegen 13 Uhr kam es auf dem Gehweg zum plötzlichen Angriff.

Sie hielt mit aller Kraft fest. Er wollte den Kinderwagen weiter auf die Fahrbahn drücken

Ohne erkennbaren Grund riss W. an dem Verdeck des Kinderwagens, drückte ihn in Richtung der stark befahrenen Straße. Die Mutter: „Ich habe geschrien.“ Er stieß sie beiseite.

Ein dramatisches Tauziehen. Sie hielt mit aller Kraft fest. Er wollte den Kinderwagen weiter auf die Fahrbahn drücken. Sie wechselte auf die Straßenseite und versuchte verzweifelt, den Kinderwagen zurück auf den Gehweg zu schieben.

Nur noch die hintere Achse befand sich auf dem Fußweg. Autos fuhren an der Mutter vorbei. Der Fahrer eines Kleintransporters bremste – und konnte gerade noch rechtzeitig ausweichen. Dabei musste er in den Gegenverkehr. Die Anklage: „Ohne das Ausweichen hätte der Transporter die Frau erfasst.“

Ein Kriminalkommissar dann als Retter. Er stürzte sich auf den Angreifer, ein Passant (46) half. Die Mutter: „Wenn der Polizist nicht gekommen wäre, hätten mein Baby und ich den Tag wohl nicht überlebt.“

Stark alkoholisiert war der junge Kenianer, um die drei Promille im Blut

W. hatte den Polizisten vor dem Angriff auf der Brückenstraße nach der Uhrzeit gefragt. Danach hielt er weitere Passanten an. Dem Beamten kam das Verhalten des jungen Mannes ungewöhnlich vor. Er schaute ihm noch kurz nach – und wurde so Zeuge der Wahnsinns-Attacke.

Stark alkoholisiert war der junge Kenianer – um die drei Promille im Blut. Und er ist an Schizophrenie erkrankt. Der Richter: „Das führte zu einem völligen Realitätsverlust.“ Warum James W. unvermittelt die ihm unbekannte Mutter mit Säugling angriff, konnte er im Prozess um gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und versuchte gefährliche Körperverletzung nicht sagen.

Laut Gutachten war W. nicht schuldfähig. Frei aber kommt er vorläufig nicht: Die Richter ordneten seine Unterbringung in der Gerichtspsychiatrie an – „ohne Behandlung besteht die Gefahr weiterer erheblicher Straftaten“. KE.