Der Angeklagte, Stefan R. Pressefoto Wagner

Der Lehrer, der als „Kannibale von Pankow“ gilt, saß aufrecht auf der Anklagebank: Stefan R. (41) muss sich wegen mutmaßlichen Sexualmordes mit Kannibalismus-Motiv verantworten.

Es war 9.42 Uhr, als gestern der Prozess gegen Stefan R. begann. Ein fülliger Mann, grünkariertes Hemd, Brille, die schütteren Haare kurz. Er hielt die Hände vor dem Bauch gefaltet. Ihm gegenüber die Eltern und ein Bruder des Opfers als Nebenkläger.  

Der Lehrer für Mathe und Chemie soll den Monteur über eine Dating-Plattform kennengelernt haben. Stunden später ihr Treffen. R. habe gemordet, die Leiche des Opfers anschließend in seiner Wohnung zerteilt, Leichenteile an verschiedenen Orten nördlich von Pankow abgelegt.

Mit diesen Fotos suchte die Polizei nach Mordopfer Stefan T. Polizei Berlin, Privat

Stefan T. (43) hatte am 5. September kurz vor Mitternacht seine Wohngemeinschaft in Lichtenberg verlassen. Er kehrte nicht zurück. Seine Mutter erstattete drei Tage später Vermisstenanzeige. Hoffen und Bangen über Wochen hinweg. Bis rund zwei Monate später Knochenteile entdeckt wurden.

Staatsanwalt Martin Glage verlas die Anklage: „Stefan R. tötete in seiner Wohnung in Berlin-Pankow den Geschädigten Stefan T. auf bislang unbekannte Weise, weil er durch die Tötung geschlechtliche Befriedigung suchte und Teile der Leiche verspeisen wollte.“ R. hörte die Vorwürfe regungslos – und hüllte sich in Schweigen.

Leichenteile vermutlich mit einem Carsharing-Fahrzeug abtransportiert

Ein Gruselkrimi, der als Vermisstenfall begann. Stefan T. hatte sich laut Ermittlungen spontan auf ein Treffen mit dem ihm unbekannten Mann eingelassen. Der Staatsanwalt: „Es ging um Sex. Es gibt keine Hinweise, dass er sich töten lassen wollte, er wollte da lebend wieder raus aus der Wohnung.“

Am 8. November fanden Spaziergänger beim Gassigehen mit ihrem Hund an einem Waldstück in Buch einen Oberschenkelknochen. Die Polizei wurde alarmiert. Personen- und Leichenspürhunde kamen zum Einsatz. Bald stand fest: Es sind Überreste von Stefan T. Ermittler rekonstruierten: Der Monteur im Hochleitungsbau – 1,90 Meter groß, die Haare gelockt - nahm ein Taxi. Der Fahrer konnte ausfindig gemacht werden.

Ankläger Glage: „Mantrailer-Hunde führten zur Wohnung des Angeklagten.“ Schaurige Entdeckungen dann in der Wohnung: „Gerätschaften zum Zerteilen von Leichen, Kühlanlagen, sehr viel Blut des Opfers – unter anderem in der Kühltruhe.“ Der Ankläger: „Seit Monaten hatte R. in Kannibalismus-Foren recherchiert, wie man Menschen schlachtet und dann verspeist.“

Er habe Leichenteile vermutlich mit einem Carsharing-Fahrzeug zu den späteren Fundorten gebracht. Man habe feststellen können, dass die Leiche zersägt wurde. Fast der gesamte Körper wurde laut Glage gefunden – „bestimmte Körperteile fehlen aber bis heute“. Es soll sich um den Penis handeln.

Stefan R. sitzt seit 18. November in Haft. Ein Mann, der in Rheinland-Pfalz aufgewachsen und vor rund neun Jahren nach Berlin gekommen ist. Zuletzt unterrichtete er an einer Sekundarschule in Pankow, die sich in freier Trägerschaft befindet. Geschätzt als freundlicher und sozialer Kollege. Ihm droht nun lebenslange Haft. Fortsetzung: Dienstag.