Tausende Demonstranten strömten am Sonnabend zum Alexanderplatz, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren (Foto). Im Anschluss an die Demo kam es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen einem schwarzen Demonstranten und der Polizei. Foto: Bernd König

Provokation und Widerstand gegen Polizisten auf der einen Seite. Schubsereien und Faustschläge auf der anderen Seite.  Im Anschluss an die Anti-Rassismus-Demo werfen sich Polizei und Demonstranten gegenseitig Gewalt vor. Auslöser für die neu entfachte Debatte sind mehrere Handyvideos, die derzeit vom LKA3 ausgewertet werden. Die brutalen Szenen scheinen sich Multi-Kulti-Generation und Politik jeweils zunutze machen zu wollen.

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Vorwürfe gegen brutale Polizisten. Kritik am Verhalten einiger Demonstranten. 93 Festnahmen und 28 verletzte Polizisten waren es am Ende. Offensichtlich gab es am Sonnabend nach der „Silent Demo“ auf dem Alexanderplatz auf beiden Seiten Vorgehensweisen, die zu Eskalationen führten. So hätten laut Zeugen mehrere Demonstranten Polizisten gezielt minutenlang provoziert. Doch rechtfertigt das harte Schläge bei Festnahmen? Vor allem das Zeugenvideo,über das der KURIER am Dienstag berichtete, löste massive Kritik der Linken-Politiker aus. Es zeigt, wie Beamte in Vollmontur zwei junge schwarze Männer massiv zurückdrängten. Einer der Demonstranten wehrte sich und schubste einen Polizisten. Daraufhin schlugen zwei Beamte mehrfach mit der Faust auf ihn ein.

Linke-Landeschefin Katina Schubert twitterte: „Ist die Polizei Berlin von allen guten Geistern verlassen? Dafür gibt es keine Rechtfertigung. Haben sie nicht mitbekommen, warum Millionen von Menschen weltweit auf die Straße gehen? Gegen #polizeigewalt #Rassismus.“ FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe sieht auf dem Video nichts, was er den Beamten vorwerfen kann: „Im Gegensatz zu teils fragwürdigen Einsatzgeschehen bei anderen Veranstaltungen der vergangenen Wochen ist hier sowohl der tätliche Angriff als auch der anhaltende Widerstand des Festgenommenen offensichtlich.“

Bereits bei Demonstrationen gegen die politischen Corona-Maßnahmen wurde das harte Durchgreifen der Polizei scharf kritisiert. Am 1. Mai gab es in Kreuzberg brutale Festnahmen, nachdem Demonstranten die Polizei attackiert hatten. Neun Tage später kam es bei einer Corona-Demo zu verstörenden Szenen auf dem Alexanderplatz. Die rund 500 Einsatzkräfte setzten körperliche Gewalt, Pfefferspray und Diensthunde ein. Es gab 86 Festnahmen und Dutzende Verletzte, darunter ein bewusstlos geschlagener Demonstrant.