Die 21-Jährige Fabien M. starb Ende Januar 2018, nachdem ein Polizeiwagen ihr Auto Nähe Alexanderplatz gerammt hatte.  Foto:  Eric Richard

Im Prozess um den tödlichen Crash eines Funkstreifenwagens mit dem Auto einer jungen Frau in Berlin hat sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen geäußert. Zum Auftakt der Verhandlung am Amtsgericht Tiergarten ließ der 53-jährige Polizist am Dienstag über seinen Anwalt erklären, er werde gegenwärtig nichts dazu sagen. Zugleich trug der Anwalt an die Eltern der 21-Jährigen Fabien M. gerichtet vor, dem Polizeihauptkommissar gehe das „tragische, schreckliche Unfallgeschehen“ bis heute sehr nahe. Es tue ihm „sehr, sehr leid“.

Die Anklage wirft dem Beamten fahrlässige Tötung vor. Er soll am 29. Januar 2018 bei einer Einsatzfahrt mit überhöhter Geschwindigkeit nahe dem Alexanderplatz in den Wagen einer 21-Jährigen gekracht sein. Die Frau, die einparken wollte, starb noch an der Unfallstelle.

Wir fühlen uns, als müssten wir uns auf die Anklagebank setzen

Fabiens Mutter vor Gericht

Die Eltern der jungen Frau kamen ganz in Schwarz gekleidet ins Gericht. Sie sind Nebenkläger. Die Mutter stellte an ihrem Platz im Gerichtssaal ein Bild ihrer Tochter auf - gegenüber saß der Angeklagte.

Vor Prozessbeginn zeigten sich die Eltern verbittert. „Wir fühlen uns, als müssten wir uns auf die Anklagebank setzen“, so die 49-jährige Mutter. Sie hätten keine Hilfe bekommen. „Man hat uns einfach alleingelassen, es war keiner da.“

 Die Anklage wirft dem Beamten fahrlässige Tötung vor. Er soll am 29. Januar 2018 bei einer Einsatzfahrt mit überhöhter Geschwindigkeit durch „sorgfaltswidriges Verhalten“ nahe dem Alexanderplatz in den Wagen einer 21-Jährigen gekracht sein. Die Frau, die gerade einparken wollte, starb noch an der Unfallstelle.

Wegen der Corona-Pandemie war der Prozess verschoben worden, er sollte ursprünglich im März beginnen. Auf einer Internet-Gedenkseite drückten viele Menschen ihr Mitgefühl mit den Eltern der jungen Frau aus und wünschten viel Kraft für die Verhandlung am Amtsgericht Tiergarten. Die Eltern sind Nebenkläger in dem Prozess.

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Laut Gericht geht es nicht um Gefährdung des Straßenverkehrs durch Alkohol am Steuer, wie zunächst von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Dieser Vorwurf musste nach einem Gerichtsbeschluss fallen gelassen werden, weil die beschlagnahmte Patientenakte des Polizisten nicht als Beweismittel verwendet werden darf. Die Beschlagnahme sei rechtswidrig gewesen.

Blutprobe des Fahrers sollen Alkohol enthalten haben

Der Fall hatte öffentlich hohe Wellen geschlagen. Erst Monate nach Beginn der Ermittlungen wurde bekannt, dass eine im Krankenhaus genommene Blutprobe des Fahrers Alkohol enthalten haben soll. Es kam der Verdacht auf, dies habe vertuscht werden sollen. Die Polizei hatte direkt nach dem Unfall keinen Alkoholtest gemacht. Die Behörden wiesen Vorwürfe zurück, den Fall nicht intensiv genug zu untersuchen.

Auch der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses erörterte den tödlichen Crash, nachdem Parlamentarier mehr Aufklärung und Transparenz gefordert hatten. Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte als eine Konsequenz allen Beamten empfohlen, bei schweren Unfällen freiwillig einen Atemalkoholtest zu machen, „um jedem Verdacht vorzubeugen“.

Der Hauptkommissar - nach eigenen Angaben seit mehr als 30 Jahren bei der Polizei – war im Juli 2019 wegen illegalen Besitzes von zwei Schlagringen zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Sein Anwalt hatte angekündigt, der Polizist wolle sich seiner Verantwortung stellen und bezog dies ausdrücklich auch auf den Unfall.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Beamte am Steuer hinter einer Tunnelausfahrt das Fahrzeug der 21-Jährigen zu spät bemerkt und dann getroffen haben. Bei der Kollision sei noch eine Geschwindigkeit von 93 Stundenkilometern festgestellt worden.

Der tödliche Crash vor zwei Jahren war nicht der einzige traurige Fall dieser Art in Berlin. Im Februar fuhr eine Zivilstreife eine 28-Jährige an und verletzte sie tödlich. Im selben Monat überfuhr ein Streifenwagen einen 30-Jährigen Mann, der wenig später starb.