Eine Beamtin betritt ein Geschäft, das bei der jüngsten Randale in Neukölln beschädigt wurde.  Foto: BLZ/Pudwell

Nach einer Randale mutmaßlicher Linksextremisten in Berlin-Neukölln in der Nacht zum Samstag sucht die Polizei weiter Zeugen. Etwa 50 Personen sollen teilweise vermummt und mit Fackeln in den Händen vom Richardplatz Richtung Karl-Marx-Straße gezogen sein.

Dort sollen nach bisherigen Erkenntnissen Steine auf die Fenster von neun Geschäften geworfen worden sein, die teilweise vollkommen zu Bruch gingen. Dazu gehörten laut Polizei vom Sonntag unter anderem ein Bekleidungsladen, ein Biomarkt, eine Bank und ein Geschäft für Künstlerbedarf. In der Richardstraße wurde ein Müllcontainer in Brand gesetzt.

20 Personen kurzzeitig festgesetzt

Nach der Randale hat die Polizei 20 Personen kurzzeitig festgesetzt - 13 Frauen und 7 Männer. Ihre Identitäten wurden festgestellt, danach wurden alle wieder entlassen, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Etwa 70 Polizisten waren im Einsatz.

Die Polizei geht von einem linksextremistischen Hintergrund aus. Sie ermittelt wegen Sachbeschädigung und besonders schweren Landfriedensbruchs. Kurz nach 22.00 Uhr am Freitagabend hätten mehrere Anrufer die Polizei alarmiert, hieß es.

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Bei der Aktion wurden auch mehrere Hauswände beschmiert. Nach Auskunft einer Polizeisprecherin wurden die Schriftzüge "GFLOYD" und "No justice, no peace" (Keine Gerechtigkeit, kein Frieden) hinterlassen. Der Afroamerikaner George Floyd war Ende Mai in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota gestorben, nachdem ein weißer Polizeibeamter sein Knie minutenlang an seinen Hals gedrückt hatte.

In der Nacht war nach Auskunft eines Polizeisprechers auch ein Zusammenhang mit dem gerichtlichen Räumungsbeschluss für das Wohnprojekt "Liebig 34" in der zurückliegenden Woche vermutet worden. Das alternative Wohnprojekt gilt als eines der letzten Symbole der linksradikalen Szene in der Hauptstadt.

Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz stellte laut Polizei auf einer als linksextrem eingestuften Internetseite ein veröffentlichtes Bekennerschreiben zu den Sachbeschädigungen in Neukölln fest, das als authentisch eingestuft werde. In diesem Zusammenhang bitten die Ermittler um Hinweise zu dem Geschehen. Sie fragen unter anderem, wer in der Nähe des Tatortes Personen gesehen habe, die sich gegebenenfalls umkleideten oder vermummten und wohin und mit welchen Verkehrsmitteln diese geflüchtet seien.

Hikel: Vandalismus im Fahrwasser von Anti-Rassismus

Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) kritisierte den Vorfall scharf. "Für diese sinnlose und zerstörerische Randale kann es kein Verständnis und keine Rechtfertigung geben", sagte Hikel. Besonders perfide finde er, dass diese Personen den Namen von George Floyd hinterlassen hätten und damit auf die Proteste Hunderttausender in den USA gegen Rassismus Bezug nähmen.

Eingeschlagene Fensterscheiben von Optikern und Supermärkten in Neukölln hätten nichts mit dem wichtigen Protest gegen Rassismus zu tun. "Ganz im Gegenteil: Ein solches Verhalten ist dämlich, unsolidarisch und schadet dem tatsächlichen Protest gegen Rassismus - in Neukölln und überall", sagte Hikel.

Am Samstagnachmittag hatten sich zum Gedenken an George Floyd laut Polizei rund 15.000 Menschen zu einer Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt auf dem Alexanderplatz versammelt. Auch in anderen Städten waren dazu sogenannte stille Demos angekündigt.