Beamte der Ermittlungsgruppe „Tiger“ im Landeskriminalamt in Mainz. Von hier aus wurde federführend die Razzia gegen die verbotene und als islamistisch eingestufte Vereinigung „Kalifatsstaat“ koordiniert.
Beamte der Ermittlungsgruppe „Tiger“ im Landeskriminalamt in Mainz. Von hier aus wurde federführend die Razzia gegen die verbotene und als islamistisch eingestufte Vereinigung „Kalifatsstaat“ koordiniert. dpa/Boris Roessler

Ihr Ziel ist die Errichtung eines islamischen Staates mit dem Koran als Verfassung und der Scharia als allein geltendem Recht.

Razzia in sechs Bundesländern gegen Mitglieder der verbotenen islamistischen Vereinigung „Kalifatsstaat“. Dabei wurden am Dienstag drei Männer festgenommen. Einer von ihnen soll der Sohn des 2004 in die Türkei abgeschobenen Anführers der Organisation, Metin Kaplan, sein, teilte das Landeskriminalamt am Dienstag in Mainz mit. Insgesamt wurden 50 Objekte in Deutschland durchsucht.

Polizei: Schwierige Ermittlungen – Verdächtige „verwandt, verschwägert oder enge Freunde“

Die Polizisten stellten Schusswaffen, Hieb- und Stichwaffen wie etwa Messer und Säbel sowie zahlreiche Datenspeicher und Hunderttausende Euro sicher. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein Moscheeverein im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach. Der Verein soll die Ideologie des „Kalifatsstaats“ verbreitet und die Organisationsstruktur der verbotenen Vereinigung aufrechterhalten haben.

Zwei der Festgenommenen sind Männer im Alter von 49 und 62 Jahren aus dem Raum Bad Kreuznach, der andere ist ein 44-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen – den Ermittlern zufolge der Sohn von Metin Kaplan. Die Beschuldigten sollen auch Spenden gesammelt haben, mit denen der Lebensunterhalt Kaplans und die Aufrechterhaltung der Strukturen der Vereinigung finanziert worden seien.

Laut Polizei sind die Beschuldigten früher nicht polizeilich in Erscheinung getreten und „sehr konspirativ“ vorgegangen.

Für die Ermittler war es sehr schwer, in die Strukturen der Organisation vorzudringen, da die Mitglieder zumeist „verwandt, verschwägert oder enge Freunde“ gewesen seien. Auch online seien sie sehr zurückhaltend gewesen.

„Kalifatsstaat“: Ziel ist die Errichtung eines islamischen Staates

Beim „Kalifatsstaat“, der von dem selbst ernannten „Kalifen von Köln“ geführt wird, handelt es sich um eine islamistische Vereinigung. Deren Ziel ist den Ermittlern zufolge die Errichtung eines islamischen Staates. Die Vereinigung wurde 1984 unter anderem Namen in Köln gegründet und im Jahr 2001 vom Bundesinnenministerium verboten.

Laut Verfassungsschutzbericht 2021 hat der „Kalifatsstaat“ bundesweit rund 700 Anhänger.

Den Beschuldigten der unter dem Namen „Tiger“ geführten Ermittlungen wird vorgeworfen, als Rädelsführer den organisatorischen Zusammenhalt der verbotenen Vereinigung „Kalifatsstaat“ aufrechterhalten, sich als Mitglied daran beteiligt oder als Nichtmitglied Propagandamittel dieser Vereinigung verbreitet zu haben.