JVA Moabit Foto: Markus Wächter

Mit der Corona-Krise ist in den Berliner Haftanstalten die Zahl der Gefangenen deutlich gesunken. Derzeit sitzen genau 3339 Inhaftierte ein, wie die Verwaltung von Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) mitteilte. Dies sei ein „historischer Tiefstand“ bei den Gefangenenzahlen. Im Jahr 2007 gab es den höchsten Wert mit bis zu 5600 Inhaftierten.

Nun gebe es personelle und räumliche Reserven, die für den Notfall einer Corona-Verbreitung in den Anstalten benötigt würden, sagte Sprecher Sebastian Brux der Deutschen Presse-Agentur.

Berlin hatte Mitte März den Haftantritt für Menschen ausgesetzt, die wegen nicht gezahlter Geldstrafen hinter Gitter müssten. Es gilt ein Aufschub von vier Monaten.

Der Großteil der Menschen, die deshalb bereits im Knast waren, hat inzwischen seine Strafe verbüßt. Laut dem Sprecher sind „Ersatzfreiheitsstrafer“ im Schnitt 30 Tage im Gefängnis. Mitte März saßen noch rund 270 von ihnen ein, derzeit sind es noch 48. Nicht auf freien Fuß gesetzt werden konnten etwa Menschen aus anderen Bundesländern.

Berlin hat auch Verurteilten mit einer Strafe unter drei Jahren, die noch auf freiem Fuß sind, einen Aufschub gewährt. Sie müssen sich erst nach dem 15. Juli zum Haftantritt melden. Zudem wurde bei 20 jungen Tätern aus der Jugendarrestanstalt die Strafe vorerst ausgesetzt.

Laut Sprecher Brux hat sich inzwischen ein Gefangener des offenen Vollzugs aus dem Berliner Hafturlaub mit der Nachricht gemeldet, dass er positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Der Mann habe sich „draußen“ infiziert, hieß es. Er sei seit drei Wochen außerhalb des Gefängnisses gewesen, er bleibe nun zunächst weiter zu Hause. (dpa)