Das Opfer Mario K. Pressefoto Wagner

Mehmet Y. auf der Anklagebank, Mario K. als mutmaßliches Opfer und Nebenkläger mit im Saal – in Handschellen und bewacht von sieben Justizmitarbeitern. Nicht ohne Grund: Im Oktober 2019 wäre der „Maskenmann“, beinahe ausgebüxt. Fast filmreif brachte er mit einem chemischen Trick Gitterstäbe zum Schmelzen und seilte sich an der Fassade ab. Im Hof wurde er allerdings gestoppt.

Die „Lebenslänglichen“ und die „Küchenschlacht“: Auf versuchte gefährliche Körperverletzung lautete die Anklage. Mit einem Messer soll Y. in Richtung von K. gestochen haben – „nur durch eine Ausweichbewegung von K. verfehlte die Stichbewegung dessen Hals“, so der Vorwurf.

Verurteilter Kurde tötete Mutter und Schwester seiner Ex-Frau

Y. ist der Mann, der in Wedding zwölf Mal auf ein Auto geschossen hatte, in dem die Familie seiner Ex-Frau saß. Der Kurde mit türkischem Pass drückte am 4. August 2011 - drei Monate nach seiner Scheidung - aus Rache ab. Er tötete Mutter und Schwester seiner Ex-Frau.

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Der Angeklagte Mehmet Y. wurde freigesprochen.

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Der Doppelmörder sitzt seit fast 11 Jahren – Entlassung nicht in Sicht. Auch nach 15 Jahren kommt Y. laut Urteil nicht aus dem Gefängnis, denn es wurde auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Bei seinen Taten trug er eine Imkermaske

„Maskenmann“ K. war 2015 vom Landgericht Frankfurt (Oder) wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach Überzeugung der Richter hatte er 2011 eine Millionärsfamilie in ihrer Villa in Bad Saarow überfallen, dabei einen Wachmann niedergeschossen. 2012 hatte er einen Bankier entführt. Bei den Taten trug er immer eine Art Imkermaske. K. hatte bestritten: „Ich bin der Falsche.“

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Der Küchen-Zoff am 25. September 2021 in der JVA Tegel auf der Station der Lebenslänglichen. K. stand vor dem Backofen und schaute nach seinem Toast, als sich Y. mit einer Pfanne in der Hand näherte – und strauchelte. Mario K.: „Er ist über meine Beine gestolpert.“ Absicht sei das nicht gewesen, Y. habe sofort aggressiv reagiert.

Der „Maskenmann“: „Er hätte mich beinahe am Hals erwischt, er hat von mir Gegenfeuer gekriegt, erwischte mich an der Wade.“ Es sei nicht der erste Disput mit Y. in der Küche gewesen – „es gab mal einen, weil er seine Füße in der Spüle gewaschen hat“.

Der Doppelmörder bestritt eine Messer-Attacke. Die Verteidigerin: „Es kam beiderseits zu Beschimpfungen, aber es gab keinen Messerstich.“

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Auch der Zeuge ist ein Mörder

So schilderte es auch ein Zeuge: Philipp L. (32). Im Mai 2018 wurde er in Kaulsdorf zum Mörder seiner 80-jährigen Großmutter. Auch er ein „Lebenslänglicher“. Zeuge L.: „Stichbewegung habe ich nicht gesehen. Was ich wahrgenommen habe, war alles verbal.“ Y. habe vielleicht gedacht, dass K. ihm ein Bein gestellt habe – „das war aber nicht so, K. wollte in den Ofen gucken und hatte ein Bein nach hinten gestellt, um die Balance zu wahren.“

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Ein blaues Messer mit Riffelklinge, mit dem Y. angeblich rumfuchtelte, wurde später nicht gefunden. Die Richterin: „Es bleiben erhebliche Zweifel – Freispruch.“ KE.