Der Angeklagte Peter G. (84) soll im Januar 2021 seine schlafende 93-jährige Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung in Neukölln mit einem Hammer und einem Küchenmesser getötet haben.
Pressefoto Wagner

Nach fast 52 Jahren Ehe hat er sich selbst das Liebste genommen: Peter G. (84) tötete seine 93 Jahre alte Frau. Das Urteil: Wegen heimtückischen Mordes sieben Jahre Haft.

Er nahm es ohne Regung. Als wäre ihm alles egal. Peter G. hatte die schreckliche Tat am 6. Januar im Schlafzimmer ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung gestanden – voller Traurigkeit und tiefer Reue: „Was ich meiner Kleenen angetan habe, tut mir in der Seele weh.“

Der Richter: „Es war kein Hass, kein Verdruss, sondern schlichtweg der einzige Ausweg, den er sah in dem Moment. Eine Spirale von Problemen habe zu einem Tunnelblick geführt.“ Da habe Peter G. nicht mehr Abstand nehmen und überlegen können, „ob der Tod dessen, den man liebt, wirklich die Lösung sein kann“.

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Mord bedeutet eigentlich lebenslange Haft. Doch das Gericht schloss nicht aus, dass Peter G. in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert war. Der Richter: „Neben vielen körperlichen Gebrechen litt er auch an einer schweren depressiven Episode.“

Ilona und Peter G. hatten sich bei der Arbeit kennengelernt – der Werkzeugmacher und die Feinlöterin. Der Richter: „Sie führten eine harmonische Beziehung.“ Ihr Einkommen war gut, sie reisten gern. Die Ehe blieb kinderlos. Der Richter: „In den letzten Jahren lebten sie sehr auf sich selbst bezogen.“

Er übernahm mehr und mehr die Rolle des Versorgers, erledigte alle Gänge

Sie konnte nicht mehr die Wohnung im dritten Stock verlassen. Er übernahm mehr und mehr die Rolle des Versorgers, erledigte alle Gänge. Ende des Jahres dann der Schock: Er fiel mehrfach um, kam ins Krankenhaus. Dann der Verdacht, es könnte Krebs sein. Weitere Untersuchungen sollten stationär erfolgen. Der Richter: „Für ihn ein Schreckensszenario – was in der Zeit mit seiner geliebten Frau werden würde.“

Er schlich sie aus dem Krankenhaus, um sich um sie zu kümmern. Ilona G. war obendrein in der Wohnung gestürzt. Peter G. suchte nach einer Lösung für die Zeit in der Klinik. Ambulante Hilfe, ein betreutes Wohnen, ein Seniorenheim. Er schlug ihr auch vor: „Komm einfach mit ins Krankenhaus.“ Der Richter: „Sie lehnte es kategorisch und mit einigem Starrsinn ab.“ Wie sie es schon zuvor getan hatte.

Immer wieder drosch er zu, mindestens 30-mal, zertrümmerte ihr Gesicht

Da kam ihm der Gedanke, sie aus dem Leben zu nehmen. Am Abend legte er einen Hammer auf die Kommode, wartete dann, bis sie eingeschlafen war. Sein Plan: Mit einem Hammerschlag sollte alles vorbei sein. Doch Ilona G. wachte auf, wehrte sich.

Der Richter: „Er geriet in eine Art Panik.“ Immer wieder drosch er zu, mindestens 30-mal, zertrümmerte ihr Gesicht. Dann holte er aus der Küche ein Messer, schnitt ihr in den Hals, stach in ihren Oberkörper.