Am Dienstag begann der Prozess. Pressefoto Wagner

Einer der Bankräuber hielt einer Angestellten (55) den Lauf seiner Knarre unters Kinn: War der gelernte Hauswirtschafter Suphi S. (40) einer der brutalen Gangster?

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Sieben Monate nach dem Überfall der Prozess. Suphi S. in schwarz gekleidet. Ein Muskel-Paket. Bei seiner Festnahme wurden in einer Garage in Mariendorf laut Anklage 20 Ampullen Testosteron gefunden. Dopingmittel mutmaßlich für den Eigenverbrauch – „um dieses bei seinem Krafttraining zum Muskelaufbau zu verwenden.“

Die Maskierten lauerten einer Angestellten auf

Der Überfall auf eine Commerzbank-Filiale in Wilmersdorf. Die Täter hatten in der Nacht zum 2. Februar die Notausgangstür am Innenhof aufgebrochen. Am Morgen begaben sich laut Anklage zwei Gangster in die Räumlichkeiten der Bank.

Bilder einer Überwachungskamera zeigen: Ein bullig wirkender Mann in schwarzer Kleidung, der Komplize in einer hellen Jacke. Beide maskiert. Bei einem der Männer soll es sich aus Sicht der Ermittler um Suphi S. handeln.

Die Maskierten lauerten einer Angestellten auf. Ein dritter Komplize habe Schmiere gestanden, den Außenbereich abgesichert. Gegen 7.19 Uhr traf die erste Angestellte ein. Die Anklage: „Sie brachten die Frau gewaltsam zu Boden.“ Sie erlitt eine Beule an der Stirn, Schmerzen, blaue Flecken an den Knien.

Mit diesem Foto aus einer Überwachungskamera suchte die Polizei nach den Tätern. Einer der beiden Bankräuber soll Suphi S. (40) sein. Polizei

Die Eindringlinge wollten in den Tresorraum. Unter Vorhalt einer Schusswaffe hätten sie die Angestellte zwingen wollen, die Tür zu öffnen. Die Anklage: „Sie konnte die Täter aber überzeugen, dass zum Öffnen des Tresorraumes die Anwesenheit eines zweiten Bankmitarbeiters vonnöten ist.“

Suphi S. stand schon mal wegen Überfalls auf einen Geldtransporter vor Gericht

Pleiten, Pech und Pannen: Die Täter mussten sich gedulden, um doch noch in den Tresorraum und so an viel Geld und Wertgegenstände zu kommen. Der Staatsanwalt: „Nach mehreren Minuten Wartezeit bemerkten sie jedoch das Eintreffen der über einen ausgelösten Alarm gerufenen Polizei und verließen ohne Beute fluchtartig die Bank.“ Zu Fuß stürmten sie aus dem Vorraum.

Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an. Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass sich noch weitere Täter im Gebäude verschanzt hatten. Beamte des Sondereinsatzkommandos (SEK) durchsuchten die Bankfiliale stundenlang – ohne Ergebnis.

Die Fahndung lief an. Knapp zwei Wochen später veröffentlichte die Polizei Bilder aus einer Überwachungskamera. Weitere Ermittlungen und Auswertungen von Spuren führten am 23. Februar zur Festnahme von Suphi S. in einem Haus in Mariendorf. Der fünffache Vater sitzt seitdem in U-Haft.

Auf versuchten schweren Raub, gefährliche Körperverletzung und unerlaubten Besitz von Dopingmitteln lautet die Anklage. Im Prozess trat S. mit drei hochkarätigen Anwälten an. Und hüllte sich in Schweigen.

Er stand schon einmal in einem spektakulären Fall vor Gericht. Es ging um einen bewaffneten Angriff gegen einen Geldtransporter in Mitte. Nach rund siebenmonatiger Verhandlung entschied das Gericht im April 2020 auf Freispruch. Ein Tatnachweis sei nicht zu führen, hieß es. Auch die Staatsanwaltschaft hatte auf Freispruch plädiert. Das Urteil im jetzigen Prozess wird nicht vor Dezember erwartet.