Der Tatort: Kriminaltechniker tragen Beweismittel aus einem Haus an der Thomasiusstraße in Moabit.  Foto: Eric Richard

Er engagierte sich ehrenamtlich als Seelsorger und half HIV-Infizierten. Pastor Reinhold Zuber hatte für viele Menschen ein offenes Ohr. Doch dann holte sich der 77-Jährige den Falschen ins Haus. Am Wochenende wurde der Theologe tot in seiner Wohnung entdeckt. Eine Spur führt die Ermittler auch ins kriminelle Stricher-Milieu. 

Feuerwehrleute machten am Sonnabend die schreckliche Entdeckung. Die Retter hatten die Wohnungstür des Pastors an der Thomasiusstraße geöffnet, weil Nachbarn ihn nicht erreichen konnten. Die äußeren Verletzungen an der Leiche ließen sofort auf ein Gewaltverbrechen schließen. Die 6. Mordkommission übernahm die Ermittlungen. Kriminaltechniker sicherten bis Sonntagabend Spuren. Beamte in weißen Overalls trugen große Papiertüten mit Beweismitteln aus dem Altbau. Die Polizei war schnell mit einem Foto des Toten an die Öffentlichkeit gegangen. Bis Montag gingen bei den Ermittlern zehn Hinweise ein. 

Pastor Reinhold Zuber wurde tot in seiner Wohnung gefunden. Er wurde Opfer eines Verbrechens. Foto: Polizei Berlin

Bekannte legen Blumen vor seiner Haus- und Wohnungstür ab. Nachbarn beschreiben den Pastor als sehr freundlich, hilfsbereit und lebensfroh. Reinhold Zuber stand offen zu seiner Homosexualität, sagt ein Freund des Toten. Er habe regelmäßig junge Männer zu Besuch gehabt, berichten mehrere Nachbarn dem KURIER. Mordermittler prüfen nun, ob er durch ein solches Treffen seinen späteren Mörder kennengelernt hatte. Da er den Täter in seine Wohnung ließ, vermutet die Polizei, dass sie sich entweder kannten oder verabredet waren. Offiziell bestätigen wollte die Polizei dies aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.

Der Senior hatte sich in der AIDS-Hilfe engagiert. Die große Wohnung, die ihm von der Stadtmission gestellt wurde, soll er zuweilen für Beratungen genutzt haben. „Vielleicht erklärt das, warum so viele junge Männer bei ihm ein- und ausgingen“, meint einer der Nachbarn. Zudem war der Pastor in einem Krankenhaus ehrenamtlich als Seelsorger tätig. Talentierten Künstlern verschaffte er hin und wieder Ausstellungsflächen. „Er war immer kurz angebunden, weil er so viel zu tun hatte“, erklärt eine Frau aus dem Nachbarhaus.

Weil die Mordermittler in dem Fall nicht weiterkommen, hoffen sie weiter auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Die Polizei sucht nach Zeugen, die an den beiden möglichen Tagen der Tat auffällige Beobachtungen in der Thomasiusstraße gemacht haben. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.