Beamte der Spurensicherung sichern in einem Faltpavillon Spuren am Tatort im Kleinen Tiergarten.  Foto: Christoph Soeder/dpa

Die Slowakei hat drei russische Diplomaten wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an einem „schweren Verbrechen“ ausgewiesen. Es gebe Hinweise von Geheimdiensten, wonach die russischen Botschaftsmitarbeiter an „Aktivitäten beteiligt waren, die gegen das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen verstoßen“, sagte der Sprecher des slowakischen Außenministeriums, Juraj Tomaga, der Nachrichtenagentur AFP. Medienberichten zufolge soll es eine Verbindung zwischen den Aktivitäten der Diplomaten und dem Berliner Tiergarten-Mord geben.

Die Diplomaten seien mutmaßlich in den Missbrauch eines vom slowakischen Konsulat in Sankt Petersburg ausgestellten Visums sowie in ein „schweres Verbrechen, das auf dem Gebiet eines anderen Mitgliedsstaats der Nato und EU verübt wurde“ verwickelt gewesen, sagte Tomaga. Der Kreml kündigte laut russischen Medienberichten Vergeltungsmaßnahmen an.

Georgier in Tiergarten erschossen

Laut der Zeitung „Dennik N“ könnte es sich bei dem „schweren Verbrechen“ um den Mord an einem Georgier im Berliner Tiergarten im vergangenen Jahr handeln. Demnach stellte das slowakische Konsulat in Sankt Petersburg das Visum für einen Russen aus, der später in Verdacht geriet, den Georgier in Tiergarten erschossen zu haben.

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Im Juni hatte die Bundesanwaltschaft Anklage gegen einen russischen Staatsbürger wegen des Mordes an dem Georgier erhoben. Die Behörde sieht hinter der Tat einen Tötungsauftrag der russischen Regierung. Der russische Botschafter in Berlin hatte dies als „haltlos“zurückgewiesen.

Unterdessen hat Bundesaußenminister Heiko Maas Russland mit weiteren Reaktionen auf den Mord an einem Georgier mitten in Berlin gedroht. Die Bundesregierung werde zunächst einmal das Urteil in dem bevorstehenden Prozess vor dem Berliner Kammergericht abwarten, in dem es unter anderem darum geht, ob die russische Regierung den Mord in Auftrag gegeben hat, sagte Maas am Dienstag nach einem Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Moskau. „Für den Fall, dass es entsprechende Feststellungen in diesem Urteil gibt, muss man damit rechnen, dass wir darauf auch noch einmal reagieren werden.“