Keiras Mutter Karin G. ist Nebenklägerin im Prozess. Sie will wissen, warum ihr Kind sterben musste.  Olaf Wagner

Sie ist an diesem Dienstag mit einer einzigen Frage in das Landgericht Berlin gekommen. Eine Frage, die sie umtreibt. Seit ihre Tochter ermordet wurde. „Warum Keira?“, fragt Karin G. an diesem Dienstagmittag. Gerade ist der erste Verhandlungstag in diesem zweiten Verfahren, in dem es sich um den gewaltsamen Tod der 14-jährigen Keira G. dreht, zu Ende gegangen. Gerade hat sich Keiras Mutter die letzten Tränen aus den Augen gewischt.

Angeklagt ist Klara J.(*), und der Prozess findet aufgrund ihres jugendlichen Alters unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Klara J. war 14 Jahre alt, als ihre gleichaltrige Mitschülerin umgebracht wurde. Getötet aus Mordlust von einem ein Jahr älteren Jungen, der dieselbe Schule besuchte wie sein Opfer. Ermordet von dem besten Freund von Klara J. Die Jugendliche soll dem Killer ein falsches Alibi gegeben haben. Die heute 17-Jährige muss sich deswegen wegen Beihilfe zum Totschlag verantworten. Weil die Staatsanwaltschaft keine Mordmerkmale erkannte, lautet der Tatvorwurf nicht auf Beihilfe zum Mord.

Hannes E. stach 23 Mal auf Keira ein

Der Mord an Keira G. sorgte für Aufsehen. Der 15-jährige Hannes E.(*) hatte die Tat geplant. Am 7. März 2018 packte er das Tatmesser, Kleidung zum Wechseln und Handschuhe in seinen Rucksack und fuhr von der elterlichen Wohnung in Weißensee nach Alt-Hohenschönhausen. In der Wohnung, in der Keira mit ihrer Mutter lebte, stach er 23 Mal auf das Mädchen ein, drei Stiche waren tödlich.

Hannes E. wurde für die Tat, die er aus Mordlust begangen hatte, Ende November 2018 wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt. Er habe sich Keira ausgesucht, weil er bei ihr weder Misstrauen noch Widerstand erwartet habe. Denn Keira sei in Hannes verliebt gewesen, so steht es im Urteil.

Der Mörder soll von seiner besten Freundin schon vor der Bluttat ein falsches Alibi verlangt und dann auch bekommen haben. In dem Verfahren müsse nun geklärt werden, ob Klara J. vor dem Mord wirklich von der schrecklichen Tat gewusst und dem Täter vorsätzlich ein Alibi gegeben habe, sagt Roland Weber, der Anwalt von Keiras Mutter. Die Frage sei auch, ob eine 14-Jährige wirklich damit rechnen konnte, dass ein Mitschüler eine Mitschülerin aus Lust am Töten umbringt.

Die Clique nahm Mordpläne nicht Ernst

Auch andere Jugendliche der damaligen Clique von Hannes E. wussten angeblich von den Mordplänen. Sie konnten aber offenbar glaubhaft machen, das Vorhaben nicht ernst genommen zu haben. Sie sollen nun im Verfahren gegen Klara J. als Zeugen gehört werden. Auch den Mörder hat das Gericht als Zeugen geladen.

Keiras Mutter will an jedem der insgesamt vier Verhandlungstage im Prozess gegen Klara J. teilnehmen, will dem Mörder ihrer Tochter gegenübersitzen. Auch wenn dadurch alles wieder aufgewühlt werde, wie sie sagt. „Ich will keine Rache, ich will nur wissen, warum mein Kind sterben musste.“ Eine Antwort blieb ihr Klara J. schuldig.

* Namen geändert