Das Haftkrankenhaus liegt im Olbendorfer Weg 70 Foto: Bernd Friedel

In dem Haftkrankenhaus lauerte ein Patient Ärztin Astrid N. auf, stach sie mit einem Besteckmesser nieder. Er verletzte sie so schwer, dass sie in ein Klinik musste (KURIER berichtete). Nach dem Vorfall, der sich bereits Anfang Februar ereignet hatte, schildern Mitarbeiter jetzt weitere Vorfälle.

In dem Haus in Reinickendorf, in dem Straftäter mit psychischen Erkrankungen behandelt werden, hält es offenbar nicht mehr jeder aus. Der KURIER liegen mehrere Brandbriefe vor. Zudem meldeten sich Mitarbeiter telefonisch.

Übereinstimmend wird von Angestellten berichtet, dass der Häftling mehrere Angriffe verübt haben soll. Er soll bereits 2018 Ärztin Regine R. attackiert haben. Zudem habe vor über einem Jahr ein anderer Häftling versucht, eine Sozialarbeiterin zu vergewaltigen. Die Klink und die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung bestreiten die Vorfälle.

Weiterhin wird Personalmangel beklagt: „Auf 30 bis 40 Patienten kommen nur zwei Pflegekräften, eigentlich sollten es vier sein. Ich mache den Job schon sehr lange. Unsere Arbeitsbedingungen haben sich verschlechtert“, sagt ein Pfleger im Telefongespräch.

Die Stationen sind unfassbar marode und total veraltet, die Klinik ist insgesamt total überfüllt, stellenweise schlafen Patienten auf dem Flur

aus einem Brief der Mitarbeiter

Eine Frau, die in dem Haftkrankenhaus arbeitet, erklärt: „Wir wissen alle, dass wir in der gefährlichen Pflege arbeiten. Unsere Patienten haben Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen und Suchtproblematiken. Doch unsere Auftrag ist neben der Sicherung der Patienten auch ihre Besserung. Wir können diesem Auftrag nicht nachkommen. Wir schaffen gerade mal so die Sicherheit.“

In einem der offene Briefe heißt es zur Bausubstanz des Gebäudes: „Die Stationen sind unfassbar marode und total veraltet, die Klinik ist insgesamt total überfüllt, stellenweise schlafen Patienten auf dem Flur.“

Darüber hinaus wird die Klinikleitung für ihr Verhalten kritisiert. Die Mitarbeiter fühlen sich unter Druck gesetzt, es gäbe keine Betreuung nach solchen Angriffen, heißt es übereinstimmend in den Briefen. Außerdem sei die Klinikleitung und die Pflegedienstleitung schon länger mit der Situation überfordert.

Die Leitung des Krankenhauses und sie Senatsgesundheitsverwaltung weisen alle Anschuldigungen zurück. Sie würden „jeglicher Grundlage entbehren“, heißt es.

Mitarbeiter erwarten Reaktion von Senatorin Dilek Kalayci(SPD)

Lena Högemann, Sprecherin von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci: „Unzufriedenheit beim Personal im Krankenhaus wird selbstverständlich sehr ernst genommen, genauso wie gelegentliche Vorfälle mit Patientinnen und Patienten auf den Stationen.“ Die Krankenhausleitung spreche regelmäßig mit den Stationsleitungen und den Personalvertretungen. Die Ärztliche Leitung sei regelmäßig auf den Stationen zur Visite.

Die Angestellen haben derweil einen Maßnahmen-Katalog ausgearbeitet, den sie der Klinikleitung vorlegen wollen. Die Mitarbeiter fordern unter anderem, dass jeder Vorfall dokumentiert wird und offene Stellen besetzt werden. Der bauliche Zustand des Haftkrankenhauses brauche dringend eine Verbesserung. Von der Senatorin Dilek Kalayci fordern sie ein klares Bekenntnis zur Klinik des Maßregelvollzugs in Reinickendorf.