Michael K. (66) war in den 70ern ein erfolgreicher DDR-Ruderer. Pressefoto Wagner

Die Rentnerin wurde von einem SUV angefahren, dann überrollt: Sigrid H. (75) überlebte wie durch ein Wunder. Es war laut Anklage das Ende einer Suff-Fahrt eines Ex-Managers.

Er wurde Anfang der 70er Jahre als DDR-Spitzensportler im Rudern bekannt, machte dann in der Geschäftswelt Karriere: Michael K. (66), nun Rentner. Am 24. November 2017 war er in einem Restaurant in Westend. Als er gegen 17.45 Uhr nach Hause fahren wollte, kam es beim Abbiegen zum Unfall.

Michael K. hatte mindestens 1,2 Promille Alkohol im Blut

Nun der Prozess um fahrlässige Körperverletzung, Unfallflucht, Trunkenheit am Steuer. Er soll mit mindestens 1,2 Promille Alkohol im Blut ans Steuer gesessen haben. Die Anklage: Er sei wegen alkoholbedingter Beeinträchtigung nicht in der Lage gewesen, das Auto sicher zu führen.

Die Rentnerin wollte die Reichsstraße überqueren, um ihre Brille vom Optiker abzuholen. Sigrid H.: „Die Fahrbahn war frei. Dann bekam ich einen mächtigen Schlag gegen die Schläfe.“ Was sie traf, habe sie nicht gesehen. „Ich nahm nur noch rote Bremslichter wahr – über meinem Kopf.“

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Sie wurde prallte erst auf die Motorhaube, wurde dann durch die Luft in Fahrtrichtung zurückgeschleudert und blieb wenige Meter vor dem Mittelklasse-SUV liegen. Fahrer K. habe kurz gestoppt, dann seine Fahrt fortgesetzt. Die Breitreifen seines Wagens überrollte die Seniorin laut Anklage im Bauch- und Beckenbereich. Ein Ermittler: „Ohne eine schnelle Rettungskette wäre sie gestorben.“

Sigrid H. (75) ist bis heute in Schmerztherapie, Sport ist nicht mehr möglich. Pressefoto Wagner

Der Ex-Manager: „Der Vorfall belastet mich sehr, ich mache mir große Vorwürfe, ich habe mich fahrlässig verhalten.“ Aber er habe die Fußgängerin wirklich nicht gesehen. K.: „Ich habe nicht bemerkt, dass ich sie angefahren und überrollt habe.“ Er sei schockiert über sich. K. gab zu: „Im Lokal wurde auch Wein konsumiert.“

Die Umstände beschrieb K. als schwierig: Nass sei es gewesen, an beiden Seiten der Straße hätten Autos geparkt. Nach rechts habe er gesehen, aber „versäumt, nach links zu gucken“.

Er befuhr den Durchbruch des Mittelstreifens der Reichsstraße links abbiegend in Richtung Theodor-Heuss-Platz. Er habe nur ein kleines „Ruckeln“ bemerkt – „ich sah mich um, sah aber nichts“, so K. Ganz normal sei er nach Hause gefahren – „dort trank ich Weißwein“.

Bis heute ist Sigrid H. (75) in Schmerztherapie

Weil sich Zeugen das Kennzeichen des Unfallwagens notieren konnten, stand am Abend vor dem Haus von K. die Polizei. Es liefen umfangreiche Ermittlungen an – sogar in Richtung eines versuchten Tötungsdelikts wurde geprüft. Seit dem Crash ist K. ohne Fahrerlaubnis.

Sigrid H. ist nun Nebenklägerin. K. bat um Entschuldigung. Sie sah an die Decke des Gerichtssaals. Bis heute ist sie in Schmerztherapie. Radfahren, wandern, mal Tennis oder Golf – „fällt alles weg“. Prozess-Fortsetzung: 24. Juni.