Ein Funkwagen der Polizei am Einsatzort (Symbolbild). Foto: imago images/Seeliger

Mehr Morde, mehr Drogendelikte und mehr Sexual-Straftaten. Das sind wichtige Erkenntnisse der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2019 für die Hauptstadt, die gestern von Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik im Roten Rathaus vorgestellt wurde. Auch die Gesamtzahl aller von der Polizei registrierten Verbrechen (513426) lag um 0,3 Prozent höher als im Vorjahr. „Nur wenn wir uns realistisch mit der Kriminalität auseinandersetzen, können wir sie auch wirksam bekämpfen“, sagte Slowik bei der Präsentation.

Die Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wie Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und Kinderpornografie nahmen um 15 Prozent zu (4809 Fälle). Dazu heißt es in der PKS: „Zu den Sexualdelikten wurden insgesamt 2857 Tatverdächtige ermittelt. 95,7 Prozent davon waren männlich, 36,6 Prozent hatten nicht die deutsche Staatsangehörigkeit“. Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren in diesem Deliktbereich betrug 25,2 Prozent.

Im Bereich Mord und Totschlag wurden 106 Fälle registriert – zwölf mehr als im Vorjahr. Darin enthalten sind auch 65 Fälle von versuchten Tötungen. „Es wurden 173 Tatverdächtige ermittelt, darunter 80 Nichtdeutsche“, heißt es in der PKS. Und weiter: „Von den 173 Tatverdächtigen waren 157 männlichen Geschlechts und 19 Tatverdächtige unter 21 Jahre alt.“

Einen weiteren Anstieg gab es im Vergleich zum Vorjahr zudem bei Kriminalität, die mithilfe des Internets begangen wurde (39988 Fälle, +26,7 Prozent). Meistens ging es um Betrug. Einen Rückgang gab es hingegen bei Taschendiebstählen (17738 Fälle), Ladendiebstahl (34718 Fälle) und Fahrraddiebstählen (28711 Fälle). Gleichzeitig wurden mehr Einbrüche in Wohnungen und Keller angezeigt.

Auch bei den Drogendelikten (18950 Fälle) erfasste die Polizei deutlich mehr Taten (plus 1684 Fälle) als im Vorjahr. Innensenator Geisel nannte das aber „erfreulich“, weil es zeige, dass die Polizei stärker kontrolliere und Drogenhändler fasse. Die Aufklärungsquote aller Straftaten veränderte sich im Vergleich zum Vorjahr nur minimal um 0,3 Prozent nach oben und liegt damit bei 44,7 Prozent.

Politik kritisiert die Kriminalstatistik

„Wir sind die Hauptstadt, in der nicht nur 3,7 Millionen Menschen leben, sondern die auch jährlich von 14 Millionen besucht wird. Dass es da leider auch Raum für Kriminalität gibt, ist keine neue Erkenntnis. Dennoch zeigen die Zahlen, dass in Berlin kein Sodom und Gomorrha herrschen“, so Norbert Cioma, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Die „steigende Gewalt in unserer Stadt“ sei aber dennoch „ein klares Zeichen“, so Cioma weiter. Daher brauche Berlin „mehr Präsenz im öffentlichen Raum, denn Straftaten werden eher weniger begangen, wenn ein Polizist direkt daneben steht“.

FDP-Innenexperte Marcel Luthe sieht die Zahlen etwas kritischer: „Rund 20 Prozent mehr Fälle von besonders schwerer Vergewaltigung und erneut über zehn Prozent mehr Raubüberfälle sprechen eine deutliche Sprache. Berlin brauche „dringend mehr objektive Sicherheit im öffentlichen Raum und keine zeitraubenden PR-Kampagnen des Innensenators auf Kosten der Polizei“.

Und die CDU erklärte: „Berlin ist immer noch Schlusslicht bei der Verbrechensaufklärung. Das ist unterirdisch und trägt nicht dazu bei, das Sicherheitsgefühl der Berliner zu verbessern“.