Einsatzkräfte der Bundespolizei stehen in Berlin-Lichtenberg auf einem Parkplatz und bereiten sich auf eine Razzia vor. Foto: dpa/Christophe Gateau

Bundespolizisten gehen seit dem Morgengrauen gegen eine Menschenschleuser-Bande vor. Rund 160 Beamte sind im Einsatz. Nach Angaben von Ermittlern werden in Berlin-Lichtenberg und Marzahn sechs Objekte durchsucht, hauptsächlich Wohnungen. Der RBB berichtet, dass unter anderem ein Wohnungsbordell in einem Hochhaus in der Landsberger Allee und ein Massagesalon gegenüber dem Lichtenberger Rathaus betroffen seien. Im Fokus der Razzia soll zudem ein sogenanntes Safehaus stehen, in dem Menschenhändler ihre Opfer zeitweise unterbringen.

Auch in Hamburg und in Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein) werden je eine Wohnung durchsucht, also insgesamt acht Objekte in drei Bundesländern. Der Schleuser-Bande wird vorgeworfen, illegal Vietnamesen nach Deutschland gebracht zu haben.

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Hauptbeschuldigte ist eine einschlägig vorbestrafte 43-jährige Vietnamesin. Gegen sie wurde in Lichtenberg ein Haftbefehl vollstreckt. Auch zwei weitere Verdächtige stehen im Fokus der Ermittler. Laut RBB seien mindestens zwei sehr junge über Polen eingeschleuste Vietnamesinnen festgehalten und als Prostituierte missbraucht worden. Als Lohn hätten sie nur Essen und Trinken bekommen, heißt es. Die Freier hätten 50 Euro gezahlt. Die Hauptverdächtige soll laut RBB auch in die Vermittlung von Scheinvaterschaften verwickelt sein.

Professionelle Schleuser aus Vietnam bringen bereits seit Jahren Landsleute illegal über Osteuropa nach Deutschland, um sie auszubeuten. Das Geschäft ist straff organisiert. Es geht um Arbeitsausbeutung etwa in Nagelstudios und Restaurants, zudem um Zwangsprostitution und Drogenhandel. Betroffene müssen ihre Reisen selbst zahlen und ihre Schulden bei den Schleusern in Deutschland abarbeiten.

Foto: dpa/Paul Zinken
Bundespolizisten gehen bei einer Razzia in Berlin-Lichtenberg in ein Wohnhaus.