Der angeklagte Denis G. (44) vor Gericht.


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Er raste mit bis zu 151 km/h, rammte dann einen Motorroller. Der wurde in den Kühlergrill gepresst und hing fest – wie aufgespießt. Denis G. (44) gab weiter Gas und floh.

Der Industriemechaniker nun vor Gericht. Die Anklage lautet auf versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung, verbotene Kraftfahrzeugrennen, Gefährdung des Straßenverkehrs, Unfallflucht.

Denis G. stand auf. Stichpunkte hatte er sich gemacht. Er wolle erklären, wie jemand wie er die Nerven verlieren konnte. G.: „Weil ich eigentlich so nicht bin.“

Er nahm eine Machete aus dem Kofferraum, schlug ohne Sinn und Verstand zu

Der 17. Mai 2020 in Marienfelde. G. und seine Frau (39) führten eine Wochenend-Ehe. Weil er es in der Wohnung nicht mehr aushielt: „Von Nachbarn gingen Ruhestörungen aus.“ Er aber habe Wert darauf gelegt, „nicht übermüdet zur Arbeit zu gehen“.

Er wollte am Abend mit seiner Frau kochen. Sie aber telefonierte mit einer Freundin. G.: „Ich trank Wein.“ Sie nahm ihm die Flasche weg. G.: „Da bin ich in einen emotionalen Ausnahmezustand gefallen.“

Um 21.45 Uhr ging er zu seinem 175 PS starken Mazda. G.: „Ich nahm eine Machete aus dem Kofferraum.“ Er schlug ohne Sinn und Verstand zu. Vier Fahrzeuge demoliert, dann stieg er in sein Auto.

Fahruntüchtig mit um die zwei Promille Alkohol im Blut war er laut Anklage. Und voller Frust und Unzufriedenheit. Um das abzubauen, habe er „tödliche Verletzungen eines reinen Zufallsopfers billigend in Kauf genommen“. Und: „Er setzte sich in besonders selbstsüchtiger und rücksichtsloser Weise über das Lebensrecht anderer Verkehrsteilnehmer hinweg.“

Der Fahrer wurde auf die Windschutzscheibe, dann durch die Luft geschleudert

Er bretterte über mehrere rote Ampeln, näherte sich dann mit 127 Stundenkilometern der Kreuzung Großbeerenstraße/Daimlerstraße. Obwohl Fahrzeuge vor ihm standen und darauf warteten, dass es Grün gibt, ging er nicht voll auf die Bremsen.

Eine Vespa erwischte er von hinten. Der Fahrer (53) wurde erst auf die Windschutzscheibe, dann meterweit durch die Luft geschleudert. Mit zahlreichen Frakturen lag der Mann auf dem Asphalt. G. aber kümmerte sich nicht um den Verletzten, floh mit dem Roller, der im Kühler feststeckte. Nach fünf Kilometern wurde G. gestoppt.

Angeblich kann er sich kaum erinnern: „Kompletter Filmriss“. Er könne nicht sagen, wie schnell er unterwegs war: „Eine Fahrt wie in Trance.“ Doch die Kamera an seinem Wagen hatte alles aufgezeichnet. Die Bilder hätten ihn erschüttert, so der Raser. Jeden Tag frage er sich, wie es dem Roller-Fahrer gehe. Fortsetzung: Freitag.