Einer der verhafteten Niederländer wird aus der Tiefgarage des Hauses geführt, in dem drei Wohnungen ausschließlich dem Umverpacken von Drogen dienten. Gerhard Lehrke

Die Drogenrazzia vom vergangenen Dienstag hat die Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft glücklich gemacht: Sie stellte rund 100 Kilogramm verschiedenster Rauschgifte und mindestens 500.000 Euro sicher.

An 17 Orten in der Stadt hatten 250 Beamte vor allem Wohnungen durchsucht, nahmen drei Frauen und elf Männer fest. Acht Männer im Alter zwischen 20 und 65 Jahren erhielten Haftbefehl, darunter drei Niederländer.

Seit Monaten hatte eine Sonderermittlungsgruppe der Direktion 5 die Bandenmitglieder beobachtet. Am Dienstag geschah, was sie erhofft hatte: Die Niederländer fuhren mit einer Lieferung von sieben Kilogramm Kokain in eine Tiefgarage eines neuen Wohnblocks an der Stallschreiberstraße.

Dort lag das Spezialeinsatzkommando (SEK) auf der Lauer, zündete spezielle laute, stark blitzende „Irritationskörper“. Vier Männer konnten daraufhin überwältigt werden. Ein fünfter Verdächtiger war nicht ausreichend schockiert und versuchte zu flüchten. Kriminaldirektor Frank Millert: „Eine ganz schlechte Idee, vor dem SEK weglaufen zu wollen.“ Der Mann wurde auf der Straße überwältigt.

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Bei den Männern fand die Polizei 220.000 Euro, die offenbar zur Bezahlung des Kokains bereitgestellt waren. Im Haus wurden drei Wohnungen durchsucht, die bis auf die Einbauküchen völlig leer waren. Sie dienten nur zum Portionieren und Verpacken der Drogen, die deutschen Drogenhändler sollen die niederländische Ware an Zwischen- und Endabnehmer weiterverkauft haben.

In den verschiedenen anderen, über das ganze Stadtgebiet verteilten Wohnungen sowie in zehn beschlagnahmten Autos fanden sich weiteres Geld und weitere Drogen: Kokain, Haschisch, Ecstasy, Amphetamine, Chrystal Meth und LSD, insgesamt hundert Kilogramm. In den Autos waren teilweise besondere Verstecke dafür angelegt.

Die Dealer sind nicht nur ihre Ware los und sitzen in Untersuchungshaft, auch ihr Geld hat jetzt die Polizei. Polizei Berlin

Einer der Verdächtigen trug eine durchgeladene, 17-schüssige Pistole der österreichischen Firma Glock bei sich, ein zweiter ein Messer.

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Die meisten Verdächtigen waren der Polizei bisher nicht bekannt, unter anderem der 65-jährige Niederländer. Er war laut Polizeioberrat Florian Nath der Typ „netter Schwiegervater“, der völlig unauffällig sei und so der geeignete Kurierfahrer war.

Die Ermittlungen hatten schon vor Monaten begonnen, nachdem es einen Hinweis aus Leipzig gegeben hatte. Dort hatte die Polizei die Daten eines „Encrochat“-Handys ausgewertet und dann die Berliner Kollegen informiert.

Encrochat, eine Art besonders abgeschirmtes WhatsApp für Gangster, war 2020 von französischen Behörden entschlüsselt worden. In ganz Europa gab es daraufhin erfolgreiche Polizeieinsätze, weil Verbrecher über das Netzwerk offen über ihre Geschäfte kommuniziert hatten.

Gegen die Beschuldigten und Verhafteten wird jetzt wegen gemeinschaftlichen beziehungsweise bandenmäßigen Drogenhandels ermittelt, bei den Männern mit der Pistole und dem Messer kommt erschwerend hinzu, dass sie dabei bewaffnet gewesen sein sollen.