Innensenator Andreas Geisel mit Polizisten im Görlitzer Park. Foto: Markus Wächter

Trotz weniger Tourismus und Partyflaute im Lockdown ist die Drogenkriminalität rund um den Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg unverändert hoch. Die Dealer haben sich der neuen Situation angepasst und haben ihren Einzugsbereich sogar noch vergrößert. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat sich am Freitagnachmittag zusammen mit 180 Polizisten ein Bild von der Lage im Görli gemacht. Dort kämpfen Bezirk und Polizei seit Monaten gemeinsam gegen die ausufernde Drogenkriminalität. Vor kurzem erst wurde eine neue Brennpunktinspektion eingerichtet.

Der kriminalitätsbelastete Ort (kbO) war im Sommer vergangenen Jahres auf den Wrangelkiez ausgeweitet worden. In dem Wohnviertel wurden zuletzt immer mehr Straftaten registriert, Anwohner fühlten sich nicht mehr sicher. Nach Angaben der Polizei haben sich die Drogendealer zudem weiter an der U-Bahnlinie 1 zwischen Warschauer Straße und Kottbusser Tor ausgebreitet, da auf dem RAW-Gelände keine Partys stattfinden. Das Geschäft sei trotzdem weiterhin lukrativ. Bei einer Razzia bei einem der Hintermänner wurden in dieser Woche erst 300.000 Euro sichergestellt.

Mehr verdeckte Ermittler im Görlitzer Park

Der Kraftakt für die Behörden sei enorm, hieß es. Laut Geisel hatte die Polizei allein im vergangenen Jahr rund 100.000 Einsatzstunden im Görlitzer Park geleistet, 60 Kilogramm Drogen wurden beschlagnahmt. Die Zahl der verdeckten Ermittler sei massiv erhöht worden, um auch den Handel von Kleinstmengen von Drogen nachweisen zu können. Insgesamt seien nach Angaben der Innensenators die Raubtaten rund um den Görli um 25 Prozent zurückgegangen.

Doch die Drogendealer, vorrangig Geflüchtete aus Afrika, haben auf die erhöhte Polizeipräsenz reagiert. Nach Angaben der Polizei sind sie immer häufiger mit Fahrrädern unterwegs, da sie ihre Drogenbunker verlagern mussten. Grund dafür seien die Spürhunde der Polizei, die vermehrt eingesetzt wurden.

Inzwischen werden vermehrt harte Drogen im Görli gefunden

Eine Tendenz sei besonders bedenklich: Rund um den Görlitzer Park, in dem seit Jahren vor allem Marihuana verkauft wird, sollen der Polizei zufolge nun auch harte Drogen wie Amphetamine, Kokain und Heroin angeboten werden. Die Drogendealer werden oft mit falschen Illusionen gelockt. „Es sind vor allem männliche Flüchtlinge, denen man verspricht, dass sie in dem Park gut und einfach arbeiten können“, sagte ein Ermittler der Berliner Zeitung.