Der Angeklagte soll aus der JVA heraus Luxuswohnungen angemietet haben.
Foto: Pressefoto Wagner

Nobel mietete er sich ein: Maisonette-Appartement, dann schicke Penthouse-Wohnung. Seinen „Hauptwohnsitz“ allerdings hatte Holger A. (52) im Knast.

Bedröppelt saß er nun vor Gericht. Sein Anwalt: „Er brauchte dringend eine Wohnung.“ A. musste damals ordentlich brummen – um die drei Jahre, weil er das Betrügen nicht lassen konnte.

Nach dem ersten Jahr wollte er im offenen Vollzug Freigänger werden: Im Knast schlafen, tagsüber außerhalb der Mauern arbeiten und sich relativ frei bewegen. Voraussetzung sind auch Arbeitsstelle und Wohnung.

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Da drehte er aus dem Knast heraus das nächste Ding. An Vermieter gingen getürkte Unterlagen. Restaurantfachmann A. machte sich bei der ersten Tat zum Bereichsleiter mit 7000 Euro im Monat, bei der zweiten zum Oberbauleiter mit 7200 Euro monatlich.

Anfang Januar 2019 wurde er als Mieter in Friedrichsfelde herzlich begrüßt. Ans Zahlen aber dachte er nicht. Als es Ärger gab, genehmigte er sich eine traumhafte Penthouse-Wohnung in Mitte. Luxus für lau.

Die Richterin: „Warum hochpreisige Wohnungen?“ A.: „Was anderes kriegt man in Berlin nicht.“ Die Richterin: „Es muss Ihnen doch klar gewesen sein, dass das schiefgeht.“ A.: „Ich war in einer verzweifelten Situation, wollte meine Beziehung retten.“

Im ersten Fall hinterließ er 6660 Euro Mietschulden für vier Monate. Bei der Penthaus-Wohnung waren es 12.660 Euro an Mietausfall. Der Schwindel flog bald auf. Für A. hieß es: Umzug zurück in den geschlossenen Vollzug bis Haftende Anfang 2021.

Die Richterin donnerte: „Sie bekommen keine Bewährung!“

Holger A. hat ein langes Vorstrafenregister – immer wieder ging es um Betrug. Erst Geldstrafen, dann Bewährung, schließlich Gefängnis für 32 Taten. Seit Februar ist er frei. Holger A.: „Wohne bei einem Bekannten, etwas mehr Platz als in der Zelle. Ist alles legal und ohne Tricks.“ Das Amt zahlt.

Er hoffte auf eine Bewährung und jubelte wohl innerlich, als er den Antrag der Staatsanwältin hörte: Zehn Monate Haft auf Bewährung. Doch zu früh gefreut. Die Richterin donnerte: „Sie bekommen keine Bewährung. Sie saßen wegen Betruges und wurden wieder zum Betrüger.“ Urteil: ein Jahr Gefängnis.