Der Schneemann hat weniger Koks im Sack: Drogenhändlerbande mit Zentrum in Berlin hochgenommen. Foto: dpa/Christian Charisius

Ein ehemaliger Stasi-Offizier war auch dabei: Eine Drogendealer-Bande, die knapp fünf Tonnen Kokain von Südamerika nach Deutschland geschmuggelt und nebenbei noch Corona-Subventionen erschlichen haben soll, wurde zerschlagen. Das teilten das Bundeskriminalamt und die Berliner Staatsanwaltschaft mit. In Berlin und Umland seien die Taten geplant und koordiniert worden, sagte Oberstaatsanwalt Günter Sohnrey.

Verhaftungen in Berlin, in Dortmund, in Spanien und Lettland

An der internationalen Aktion waren neben den Strafverfolgern aus Berlin und Dortmund auch Ermittler in Lettland und Spanien beteiligt. Hilfreiche Informationen hatte es zuvor durch Rechtshilfeersuchen aus Frankreich, den Niederlanden, Spanien und Lettland gegeben. Über 250 Einsatzkräfte durchsuchten daraufhin am frühen Dienstmorgen mehr als 40 Objekte im In- und Ausland und vollstreckten 14 Haftbefehle. Allein in Berlin wurden zehn Verdächtige festgenommen, ein weiterer in Dortmund, zwei in Lettland und einer in Spanien. Bei acht Beschuldigten wurden fast 14,5 Millionen Euro Vermögen gesichert.

Insgesamt gibt es den Ermittlern zufolge 28 Verdächtige im Alter von 22 bis 62 Jahren, neben Deutschen Personen türkischer, griechischer, irakischer, georgischer, ukrainischer, lettischer und kolumbianischer Staatsangehörigkeit.

Oberstaatsanwalt Günter Sohnrey berichtete im Kriminalgericht Moabit über den Fahndungserfolg.ein Pressestatement zu einem Schlag gegen den internationalen Rauschgifthandel.   Foto: dpa/Christoph Söder

Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, an neun Kokainlieferungen beteiligt gewesen zu sein. „Wir halten das für einen sehr großen Erfolg gegen die internationale handelnde Rauschgiftmafia“, sagte Christian Hoppe, Leitender Kriminaldirektor im BKA und Leiter der Rauschgiftbekämpfung. „Die Beschuldigten waren für die komplette Logistik zuständig und haben die kompletten Routen abgedeckt.“

Wegen der Verwendung falscher Personalien sei es lange Zeit schwierig gewesen, die Beschuldigten zu identifizieren, sagte Hoppe. Die Geldströme aus dem Kokainschmuggel seien zudem über ein Geflecht von Scheinfirmen abgewickelt und verschleiert worden.

Stasi-Offizier half bei der Geldwäsche

Die Bande soll diese Firmen in diversen deutschen Städten auch genutzt haben, um Corona-Subventionen zu erhalten. Das illegal verdiente Geld sei anschließend gewaschen worden. Der einstige Stasi-Mann und die Niederlassung eines Kölner Versicherungskonzerns in Berlin-Kreuzberg sollen dabei geholfen haben.

Die 2018 in Brasilien entdeckten gelben Kokain-Pakete waren in Stahlträgern versteckt. Foto: BKA

Anlass der zwei Jahre dauernden Ermittlungen war ein Fund von 690 Kilo Kokain im Wert von 140 Millionen Euro im November 2018 in einem Schiffscontainer im Hafen der brasilianischen Stadt Santos. Adressiert war der Container an eine Berliner Firma. Ermittler deckten anschließend auf, dass die mutmaßlichen Täter bereits seit mindestens 2011 mit hochprofessionellen Strukturen, Scheinfirmen und falschen Personalien Kokain über den Hamburger Hafen nach Deutschland schmuggelten.

Nach der Beschlagnahme 2018 tauchte die Bande zunächst ab, baute aber neue Routen für den Kokainschmuggel auf, über Kolumbien, Panama und Mexiko.

In den vergangenen zehn Jahren sei die Bande an insgesamt neun Lieferungen mit einem Umfang von knapp fünf Tonnen Kokain beteiligt gewesen. Ihre Zerschlagung sei zwar ein „herausragender Erfolg, aber zugleich auch eine Mahnung, dass das Problem des Rauschgifthandels und die davon ausgehende Bedrohung für die innere Sicherheit unserer Bürger nicht zu unterschätzen ist“, sagte Hoppe.

Das Ermittlungsverfahren werde „Stahlträgerverfahren“ genannt, weil das Kokain in Schiffslieferungen in Stahlträgern versteckt worden war, erläuterte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Die Verstecke seien zudem mit Blei ummantelt worden, so dass sie durch übliche Röntgenverfahren nicht entdeckt werden konnten.