Ein Blick in den neuen Sicherheitssaal im Kriminalgericht Moabit Foto: dpa/Gateau

„Meine Wette, ob wir schneller fertig sind, als der neue Flughafen habe ich verloren.“ Mit diesem gewitzten Eingeständnis eröffnete Hans-Michael Borgas die Vorabbesichtigung des neuen Sicherheitssaals im Kriminalgericht Moabit. Doch der Präsident des Amtsgerichts Tiergarten und künftige Hausherr des neuen Verhandlungsraums schien die verlorene Wette in Anbetracht der neuen Möglichkeiten gut verschmerzen zu können: „Mit dem Sicherheitssaal haben wir äußerst dazugewonnen.“ Die hochmodern ausgestattete Räumlichkeit mit der Nummer 142 wird ab Mittwoch, den 6. Januar, in Betrieb genommen.

Die Auftaktverhandlung in dem neuen Saal, der mit zehn Einzelkabinen aus Verbundsicherheitsglas ausgestattet ist, wird ab Mittwoch eine Prozess-Fortsetzung gegen sieben Angeklagte sein, die bei einem Einbruch in die Asservatenstelle des Hauptzollamtes Berlin mindestens 5,2 Millionen bereits beschlagnahmte Zigaretten und acht Tonnen Wasserpfeifentabak gestohlen haben sollen. Insgesamt sieben Angeklagte, die derzeit alle in Untersuchungshaft einsitzen, würden dann vernommen werden.

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Mit der Fertigstellung des neuen 300 Quadratmeter großen Saales geht nun ein Projekt zu Ende, das im September 2018 begonnen hat. Rund 5,3 Millionen Euro haben Planung und Bauleistung laut Justizsenator Dirk Behrendt (Bündnis 90/Die Grünen) gekostet. Damit übersteigen die Kosten den ursprünglich veranschlagten Wert um zirka 70 Prozent.

Was macht den Saal 142, dessen Zuschauerzugang sich im Erdgeschoss, etwa 50 Meter linksseitig der kathedralenhaften Eingangshalle des Kriminalgerichts befindet, so besonders? Klinisch hell ausgeleuchtet mit verschiebbaren Glaslamellen, die bei Bedarf zwischen Zuhörer und Prozessbeteiligte gefahren werden können und einem Richterpult mit versenkbaren Monitoren: Der fensterlose Saal wirkt wie ein Raumschiff innerhalb des altehrwürdigen Gebäudes. Im Gegensatz zu den anderen drei Sicherheitssälen mit den Nummern 500, 700 und 429 bietet 142 „Technik auf dem neuesten Stand sowie eine viel bessere Akustik“, wie Matthiessen hervorhob. Und: Mehr Platz für Prozessbeteiligte.

Während in den anderen Sicherheitssälen „viel Raum für Publikum vorgesehen ist und den Prozessbeteiligten wenig zusteht“, so Matthiessen weiter, „ist bei dem neuen Saal das Verhältnis fast umgekehrt.“ So seien Verhandlungen mit mehreren Angeklagten und zwei Verteidigern pro Angeklagtem durchaus möglich: „Der Prozess, der morgen beginnt, hätte in keinem anderen Saal dieses Hauses stattfinden können.“

Dass Platz Mangelware ist im Campus Moabit, der u.a. eine Justizvollzugsanstalt beherbergt, ist eine lang bekannte Problematik. Umso froher sei man, dass mit dem neuen Saal, der durch die Überbauung des ehemaligen Schlosserhofes entstanden ist, ein Ort geschaffen wurde, an dem große Strafsachen gut – und auch coronokonform – verhandelt werden können: „Er bietet uns in Zeiten der Pandemie eine weitere Option“, so Borgas. Davon ahnte man freilich zu Beginn der Bauzeit noch nichts.

Doch auch ohne Corona: Der Bedarf an neuen Sicherheitsräumlichkeiten ist da, weil auch die Strafverfahren in Berlin zunehmen. Daher wurden beispielsweise erst Ende des Jahres zwei neue Strafkammern formiert, wie der Präsident des Landgerichts mitteilte: Insgesamt kümmerten sich nun 46 große Strafkammern um Strafsachen. Und so soll noch ein weiterer Hochsicherheitssaal entstehen - derzeit laufe eine Machbarkeitsstudie.

„Ein neues Strafgerichtsgebäude wird es aber nicht geben“, versichert der Grünenpolitiker mit dem Hinweis auf die hohe Zweckdienlichkeit des Campus Moabit. Denn durch ein architektonisch ausgetüfteltes System können Angeklagte aus der Untersuchungshaftanstalt direkt über separate Gänge in die Gerichtssäle gebracht werden, ohne dass sie in Kontakt zu Außenstehenden kommen: Ein Alleinstellungsmerkmal, „darum beneiden uns andere Bundesländer.“ Freilich gilt dieses Prinzip auch für den neuen Sicherheitssaal: Angeklagte haben einen eigenen Zugang zu dem neuen Raum.