Halil G. (41) wird nach dem Prozess aus der U-Haft entlassen Pressefoto Wagner

Er gab hemmungslos Gas, bretterte mit Tempo 90 in den Gegenverkehr, überfuhr rote Ampeln: Raser Halil G. (41), der notorisch ohne Führerschein am Steuer sitzt.

Der fast vier Zentner schwere Mann wieder einmal vor Gericht. Er hat bereits 18 Eintragungen im Register, meistens ging es um Fahren ohne Führerschein. Es gab Knast. Er ließ sich nicht lange beeindrucken.

Halil G. (41) wollte vor der Polizei flüchten

Am 29. Oktober gegen 10.45 Uhr war er mit einem 7er BMW in Kreuzberg unterwegs. Auf der Blücherstraße preschte der bei Rot über eine Ampel. Zwei Polizisten beobachteten das und setzten zu einer Verkehrskontrolle an. Die Anklage: „Dem wollte er sich entziehen.“

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Er wendete, bog nach rechts in die Mittenwalder Straße ein, gab Gas. Die Beamten blieben dran – und dokumentierten die Verfolgungsjagd mit der „Bordkamera“ des Einsatzwagens.

Durch ein dichtes Wohngebiet raste er mit hohem Tempo, missachtete die Vorfahrt anderer Verkehrsteilnehmer. Der Staatsanwalt: „Er fuhr außergewöhnlich rücksichtslos, außergewöhnlich schnell, außergewöhnlich gefährlich.“

Mehrfach scherte er in den Gegenverkehr aus, um ein in zweiter Spur haltendes Fahrzeug zu überholen. Ein Nissan-Fahrer konnte gerade noch ausweichen. Dann auf der Gneisenaustraße: „In Slalomfahrt schlängelte er sich zwischen den Fahrzeugen hindurch.“

5,4 Kilometer raste Halil G. durch die Stadt – über fünf rote Ampeln

Als er einen Kleintransporter überholen wollte, sorgte er für Blechschäden: Kollisionen mit einem Renault (7500 Euro Schaden) und einem Saab Cabrio (rund 6000 Euro Schaden). Der Raser aber gab nicht auf, bretterte mit etwa 98 km/h über die Yorckstraße, setzte schließlich seine Fahrt als „Geisterfahrer“ fort – und hängte die Polizisten ab.

Sein Pech: Die Dashcam überführte ihn. 5,4 Kilometer raste Halil G. durch die Stadt – eine dreiminütige Verfolgungsjagd. Fünf rote Ampel überfuhr er, beschädigte auch Verkehrszeichen.

Vor zweieinhalb Monaten klickten die Handfesseln für das rasende Schwergewicht. Jetzt gestand er. Weil er nicht wieder in den Knast wollte, sei er vor der Polizei geflohen.

Ein chronischer Verkehrskrimineller? Halil G. nun reuig. Und mit der Bitte an das Gericht: „Vielleicht kann man mir trotzdem die Möglichkeit geben, den Führerschein in Angriff zu nehmen.“

Bereits vor mehr als 15 Jahre ist er ohne „Pappe“ erwischt worden – und in den folgenden Jahren immer wieder. Unbelehrbar, so scheint es.

Der Richter zum Angeklagten: „Sie sind in einer zutiefst rücksichtslosen Weise vor der Polizei geflüchtet, habe Unfälle mit erheblichem Schaden verursacht.“ Und weiter: „Nur von einem äußersten Zufall hing es ab, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind.“

Gefährdung des Straßenverkehrs, verbotenes Kraftfahrzeugrennen, Unfallflucht, Fahren ohne Führerschein. Und erneut gab es Knast: Zwei Jahre Haft - Bewährung ist wegen seiner Vorstrafen nicht drin. Bis zum Strafantritt kam G. allerdings frei. KE.