Die Nürnberger Straße war unweit der Tauentzienstraße stundelang gesperrt. Foto: Morris Pudwell

 Nach einer nächtlichen Schießerei in der Nürnberger Straße geht die Polizei dem Verdacht nach, ob es sich um eine erneute Auseinandersetzung zwischen Verbrecher-Clans handelte. In den vergangenen Wochen gab es mehrere gewalttätige Zusammentreffen, die dieser Szene zugeschrieben werden.

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 Gegen 0.45 Uhr waren an der Bezirksgrenze von Schöneberg zu Charlottenburg mehrere Schüsse gefallen. Zuvor sollen dort drei Autos gehalten haben, ein Mercedes, ein BMW und ein Smart. Nach Angaben einer Polizeisprecherin stiegen die Insassen aus und begrüßten sich.  Ein Fußgänger näherte sich ihnen, nahm die Gruppe vom Gehweg und der Fahrbahn aus unter Feuer. Anschließend flüchtete er in Richtung Tauentzienstraße, die beschossene Gruppe in Richtung Augsburger Straße.

Die Spuren des Vorfalls waren am Sonntagmorgen noch zu sehen. Foto Eric Richard

Die Fahrer des BMW und des Smart, beide 28 Jahre alt, wurden wenig später in der Nähe von der Polizei entdeckt. Beide gaben an, nichts zu dem Vorfall und den Beteiligten sagen zu können. Verletzt wurde bei dem Angriff anscheinend niemand, getroffen wurde unter anderem ein Straßenschild. Die Polizei konnte Kugeln und Patronenhülsen sicherstellen.

Kurze Zeit nach der Tat umstellten Polizeibeamte an der Ranke- Ecke Augsburger Straße einen weißen Mercedes AMG, dessen  Insassen angeblich einem stadtbekannten Clan angehören. Das wurde von der Polizei bislang nicht bestätigt.

Ein Geschoss schlug eine Delle in das Verkehrsschild. Foto: Morris Pudwell

Am 27. November hatte es in Kreuzberg eine Schießerei gegeben, die vermutlich aus Clan-Streitigkeiten resultierte. Am Abend waren drei vermummte Männer auf eine Gruppe von Menschen zugegangen, die sich an der Mittenwalder Ecke Fürbringerstraße aufhielten. Sie schossen einen 29-jährigen Mann nieder und flüchteten mit einem Auto, das später in der Nähe gefunden wurde. Das arabischstämmige Opfer musste im Urban-Klinikum notoperiert werden.

Die Schießerei zog drei Tage später einen weiteren Angriff nach sich. In der Gneisenaustraße, nicht weit vom ersten Tatort entfernt, kamen Männer zu einem Haus und schlugen mehrere Scheiben einer Erdgeschosswohnung ein. In der Wohnung leben Angehörige des niedergeschossenen Mannes.

An jenem Montagabend soll es vor dem Angriff auf das Haus an der Gneisenaustraße bereits Schlägereien von Mitgliedern verfeindeter Clans an der Schönlein- Ecke Böckhstraße sowie an der Mittenwalder Straße gegeben haben. Die Auseinandersetzungen zogen einen massiven Polizeieinsatz nach sich. Die Beamten kontrollierten unter anderem vier Männer, in deren Auto sich Baseballschläger, Messer und Tränengas-Dosen befanden. Das Auto wurde beschlagnahmt, die Männer nach erkennungsdienstlicher Behandlung entlassen.

Mitte September hatte es an der Schöneberger Goebenstraße eine Bluttat gegeben, bei der ein 28-jähriger Mann durch „stumpfe Gewalt“ schwer verletzt wurde. Es wurde auch geschossen. Das Opfer soll Verbindungen zur Organisierten Kriminalität haben.

Blutige Gangster-Kriege unter Vietnamesen

Nach den Kriegen zwischen Vietnamesen, die im Kampf um den Handel mit unverzollten Zigaretten in den 1990er Jahren 39 Todesopfer in Berlin forderten, sind die Feindseligkeiten zwischen arabischstämmigen Clans trotz mehrerer Schießereien der letzten Jahre bislang ohne Todesopfer ausgegangen – mit einer Ausnahme: Im September 2018 erschossen vier Männer den vielfach vorbestraften 36-jährigen Nidal R. am Rande des Tempelhofer Felds vor den Augen seiner Kinder und seiner Frau. Der Mord ist bis heute nicht aufgeklärt, laut einem Aussteiger aus der Szene musste der Mann wegen einer Ehrverletzung sterben.