Sonita R. vor Gericht Foto: Olaf Wagner

Wie eine gute Fee versorgte sie Verwandte und Freunde mit schönen Geschenken: Sonita R. (32) nutzte ihre Position bei einem großen Online-Händler, zockte in 104 Fällen ab: Fast 150.000 Euro.

Die einstige Frau aus dem Kundenservice wurde nun aus der U-Haft in den Gerichtssaal geführt. Sieben Wochen saß sie hinter Gittern. Und formulierte ein Geständnis: „Ich wollte Personen, die mir nahe standen, etwas Gutes tun.“ Sonita R. ist in den Niederlanden aufgewachsen. Es klappte nicht mit dem Studium – „mein Leben verlief unruhig.“ Sie ging 2016 nach Portugal und Ende 2016 nach Berlin. Mit einem Job bei Zalando in der Leipziger Straße in Mitte.

Kaum begonnen, schon kriminell: Sonita R. bestellte schicke Kleidung und manipulierte dreist das Buchungssystem auf „bezahlt“. Erst blieb sie vorsichtig mit Bestellung im Wert von rund 300 Euro. Doch im März 2018 orderte sie Waren für bis zu 6930 Euro auf einmal. Und sie variierte bei ihrem Schwindel. Häufig ließ sie sich für angeblich bezahlte, aber dann in „Verlust“ geratene Lieferungen Geld überweisen – allein mit dieser Masche ergaunerte sie 22 988 Euro.

Ich konnte Wünsche nicht abschlagen. Es lief völlig außer Kontrolle.“

Sonita R.

Sie hatte sich in die Position der guten Fee hineingelogen. Sonita R.: „Ich habe gesagt, ich hätte einen Discount von 75 Prozent.“ Mit ihrer Schwester habe sie begonnen. Immer mehr „Kunden“ aus ihrem Umfeld belieferte sie: „Ich konnte Wünsche nicht abschlagen. Es lief völlig außer Kontrolle.“ Eine „Katastrophen-Spirale“, so die Angeklagte. „Dabei dachte ich, ich könnte andere glücklich machen.“ Im März 2018 verschwand sie still und heimlich aus Berlin: „Ich bin mit einem Koffer zum Zug.“ Wo all die schönen Geschenke geblieben sind? „Was ich hatte, ließ ich in der Wohnung.“

Sie hoffte, man würde ihr nicht auf die Schliche kommen. Doch im Mai 2019 erging Haftbefehl. Am 5. Mai 2020 stellte sich die Schwindlerin schließlich selbst. Und bat um Milde: „Ich leide seit Jahren unter psychischen Problemen.“ Nach Geständnis und Reue öffnete sich das Knasttor für die Niederländerin: Wegen gewerbsmäßigen Computerbetrugs gab es zwei Jahre Haft auf Bewährung. Finanziell kam allerdings noch ein Brocken hinzu: Die Richterin ordnete die Einziehung von Wertersatz in Höhe von genau 148.791 Euro an.