Die wilde Fahrt soll laut Anklage auf das Konto von Muhamed R. (30) gehen. Foto: Pressefoto Wagner

Im Porsche mit 93 km/h durch eine 30er-Zone, beinahe einen Polizisten über den Haufen gefahren, dann  mit bis zu 150 km/h geflohen: Die wilde Fahrt soll laut Anklage auf das Konto von Muhamed R. (30) gehen.

Zweiter Anlauf nun im Prozess gegen den Mann, der als Clan-Mitglied gilt. Abgebrochene Ausbildung, vorbestraft. War er in der Nacht zum 21. April der rücksichtslose und gefährliche Raser? R. hörte die Vorwürfe schweigend.

Ein Abend, der die Polizei beschäftigte: Als eine ältere Frau aus der Großfamilie in eine Klinik eingeliefert wurde, machten sich viele Verwandte der Erkrankten auf den Weg. Einer davon soll Muhamed R. gewesen sein.

Ein Porsche Carrera mit lettischem Kennzeichen fiel der Polizei auf. Die Nobel-Karosse schoss durch Neukölln - laut Anklage raste er in der damals auf Tempo 30 beschränken Hermannstraße mit „mindestens 93 km/h“.

Pech für den Raser: Er geriet in eine Geschwindigkeitskontrolle. Ein Beamter stellte sich „mit Weitwarnweste und leuchtender Anhaltekelle mittig auf die Fahrbahn“, so die Anklage. Doch der Porsche-Mann stoppte nicht. Er drückte laut Anklage sogar aufs Gaspedal. Bewusst sei er auf den Hauptkommissar zugefahren.

Lesen Sie auch: Gestohlene 100-Kilo-Münze offenbar in gefälschte Goldstücke umgeschmolzen>>

Der Beamte wich auf die Gegenfahrbahn aus, machte den Weg für den irren Raser frei. Der aber soll sein Auto gezielt in Richtung des flüchtenden Polizisten gesteuert haben. Mit einem Sprung habe sich der Beamte gerade noch retten können.

Eine Zivilstreife nahm die Verfolgung auf – mit Martinshorn und Blaulicht. Der Porsche-Fahrer beschleunigte laut Ermittlungen auf dem Columbiadamm bei zugelassenen 50 km/h auf „teilweise mindestens über 150 km/h“. Mit durchschnittlich 100 Kilometer pro Stunde habe er vier rote Ampel überfahren. Die Polizisten brachen die Verfolgung wegen der hohen Eigengefährdung ab.

Die Staatsanwaltschaft wertet das zweite Zufahren auf den Beamten als versuchten Totschlag. Außerdem lautet die Anklage auf gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in einem besonders schweren Fall.

Der Porsche, zugelassen auf eine Firma, wurde schnell ermittelt. Im Wagen soll die DNA des Angeklagten sichergestellt worden sein. Allerdings auch DNA einer anderen, unbekannten Person. Und ein Polizist will R. als Mann am Steuer erkannt haben. Am 23. Juli, knapp drei Monate später wurde er schließlich am Flughafen Tegel verhaftet. Er soll versucht haben, nach Istanbul auszureisen. Prozess-Fortsetzung: Donnerstag.