Sie Angeklagten Hussein S. (28, re.) und Yusef Sa. (24). Foto: Pressefoto Wagner

Bei Anruf Koks: Als Bosse einer Kokain-Taxi-Bande stehen zwei Männer vor Gericht. Tausende Drogen-Portionen sollen sie vertickt haben.

Hussein S. (28) und Yusef Sa. (24) nun auf der Anklagebank hinter Panzerglas. Der eine Späti-Verkäufer aus Charlottenburg, der andere ein ehemaliger Taxi-Einweiser am Flughafen Tegel. Seit Juni sitzen sie in Haft.

Sie sollen sich im Februar 2020 zur Bande zusammengeschlossen haben, um einen Koks-Lieferservice zu betreiben. Sechs Mittäter hätten sich nach und nach beteiligt.

Ihre Touren: Im gesamten Stadtgebiet sowie in Potsdam, Teltow und Kleinmachnow. Mit Werbung per SMS: „Hey, Freunde aus Holland haben mir etwas Schönes mitgebracht. Wir sind auf jeden Fall für euch unterwegs.“

Hussein S. soll den Stoff besorgt haben. Vier Mal soll er bei einem niederländischen Rauschgifthändler bestellt haben – insgesamt fünf Kilo für je rund 31.500 Euro. Die Anklage: „Er sorgte auch dafür, dass die Koks-Taxi-Fahrer ihren Einsatzzeiten nachkamen. Er war auch für die Rechnungslegung zuständig.“

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Die Angeklagten sollen zur Führungsebene der Bande gehört haben. Yusef Sa. Habe vor allem die Auslieferung koordiniert. Alles lief über „Arbeitshandys“.

Rund 3000 Drogen-Einheiten – jeweils 0,4 bis 0,47 Gramm – für je 50 Euro sollen sie bis Juni ausgeliefert haben – diskret und zuverlässig. Und Mengenrabatt wie auf dem Basar gab es – bei Abnahme von mindestens fünf Einheiten gab es eine gratis.

Sie nutzten für die kriminelle Kommunikation verschlüsselte Krypto-Handys. Doch im letzten Sommer wurde der Anbieter durch Europol zerschlagen.

Als für die beiden Banden-Chefs in Berlin die Handfesseln klickten, wurden bei Durchsuchungen fast 95.000 Euro bei einem mutmaßlichen Komplizen entdeckt – ein Teil unter einer Badewanne. Aus Sicht der Ermittler handelt es sich um Erlöse aus Rauschgiftgeschäften.

Hussein S. und Yusef Sa. traten nun die Flucht nach vorn an, um möglichst glimpflich aus dem Prozess zu kommen: Geständnisse. Das Landgericht hatte in dem Fall angeboten: Für S. vier bis fünf Jahre Haft, für Sa. maximal vier Jahre und drei Monate Knast. Fortsetzung: 15. März.